Gefühle in Wallung: Das neue Smartphone

Gefühle_in_Wallung_Das_neue_Smartphone.MP3
Listen on Posterous

Ich hatte mich bis jetzt gekonnt vor einer Entscheidung gedrückt. Sie hinausgeschoben!
Was soll ich mir ein Smartphone zulegen, wenn das alte Gurkenhandy noch nicht völlig hinüber ist?
Gut, der Akku ist recht unzuverlässig geworden. Sobald die Hälfte der Akkuleistung verbraucht ist, geht es superrasant mit dem Rest in den Keller. Ende.
Aus.
Plötzlich natürlich…, denn kurz zuvor waren noch zwei Balken da.
Ja, okay, auch die Tasten waren eigensinnig geworden. Nicht jede reagierte sofort. Es konnte schon vorkommen, dass ich enthusiastisch eine SMS tippte, um dann gegen Ende festzustellen, dass Kauderwelsch entstanden war, weil nur jeder zweite eingetippte Buchstabe erschien, und das eingebaute intelligente Teil meines Handys sofort völlig andere Worte ‚empfahl’ und ungefragt einsetzte.
Hallo, koch werk willst ihm morgen hab.
So und ähnlich lauteten die Botschaften, die ich wenigstens vor dem Absenden kontrollierte und somit das Schlimmste verhinderte.
Das Display war einwandfrei. Die Kunststoffabdeckung jedenfalls. Ich gehe ja sorgsam mit meinem technischen Gerät um. Nur die Anzeige der Buchstaben schien mir recht blass. Den Kontrast zu verbessern, half nichts mehr.
Manchmal tippten die Tasten wider Erwarten das Richtige, aber ich konnte es nicht lesen.
Internetfähig? Wie bitte?
Mein Handy?
Nicht doch!!
Einen Klingelton herunterladen? Nein, nicht möglich, ich hatte daher das angenehme, durchdringende Klingeln gewählt.
Meine SMS-Benachrichtigung hingegen vollzog sich mit dem melodischen Nokia-Klang.
Wirklich, man konnte es durchaus genießen!
Außerdem hatte ihn keiner sonst in der Umgebung. Entweder aufgrund eines anderen Geschmacks, oder weil ein wesentlich neueres Handy im Gebrauch war.
So viel zum Zustand meines Handys. Wie man sieht, es gab also absolut keinen Grund, es einfach in die Büsche zu werfen.

Eine weitere Frage, die das Zögern erklärt, lautete: Bin ich grundsätzlich Smartphone-fähig? Kriege ich so ein neumodisches Ding ‚gebacken’.
Die folgerichtig nächste Überlegung: Brauche ich so etwas? Hat es etwas, was ich möchte?
Antwort: Jaaaa! Ich kann damit ins Internet!
Und ist das gut?
Die Vor- und Nachteile wurden abgewogen, und dies führte zu folgendem Schluss:
Es geht ohne – es geht noch besser mit …

Was macht also die Lady?
Nichts. Sie wartet, dass das alte Handy stirbt.
Und was machen die Kinder der Lady?
Die überlegen sich ein gemeinsames Geburtstagsgeschenk (mit ihren Partnern) und schenken der zaudernden Mama ein WAHNSINNS-Smartphone! *Ekstaseähnlicher Zustand*
Nur: Jetzt stehe ich da und muss! Und will!
Und kann – noch – nicht (richtig)!

Das Jungvolk amüsiert sich natürlich königlich über meine Hin- und Hergerissenheit. Die Liebe zu ihm und das bangende Hilfe!
Ich ertappe mich, dass ich es fast liebevoll an mein Herz drücke. Schickes Teil. Schlagt mich, aber ich sage mal Klavierlack, schwarz. (Keine Ahnung, ob das in der Smartphone-Branche so durchgeht) Ein Fernseher mit diesem Look wurde jedenfalls so genannt, und der sah ebenfalls so edel aus.
Mein Nachwuchs hilft mir am Anfang.
Das muss man sich mal vorstellen: Jetzt habe ich das technisch neueste Gerät! Noch nie dagewesen …
Die Folge ist jedoch, dass auch Tochter und Sohn ein bisschen am Probieren, Suchen und Forschen sind. Wir wollen noch Essen gehen an diesem Abend, so dass irgendwann zwangsweise Schluss ist mit der Fummelei am Gerät.
Das war der Abend des Sonntags. Sie warfen mich einfach ins kalte Wasser – danach!
„Mama, kannst ja mal gucken, wie weit du kommst. Musst dich auch noch um den Internet-Tarif kümmern …“

Ach ja, das Smartphone meinte übrigens anfangs, es wolle die ganze Zeit im Internet weilen, obwohl ich noch gar keinen Tarif hatte. Folge: Mein Guthaben war plötzlich aufgebraucht (Ja, ich bin altmodisch. Ich komme mit einer prepaid-Karte aus und untypischerweise – für eine Frau – telefoniere ich extrem wenig). Mein talentierter Herr Sohn schafft es auf irgendeine Art, die werksseitige Einstellung des ständigen ‚online-Modus an’ zu knacken und dem Guthabenverlust ein Ende zu bereiten. Nun habe ich zurzeit allerdings noch keinen blassen Schimmer, wie ich jemals gewollt wieder hineinkomme.
Mein Besuch im o2-Shop sicherte mir eine Handy-Surfrate, aber mein Smartphone ist verschnupft und möchte eben jetzt nicht mehr …
Ich habe neues Guthaben, das Benutzerhandbuch gefilzt, das Handy bearbeitet mit netten Worten und Streichelfingern, und der momentane Stand ist folgender:
Liebe Leser,  ich kann immerhin telefonieren, SMS versenden, Einträge tätigen und ändern, Klingeltöne variieren und Einstellungen diverser Art vornehmen. Ich weiß, wo die Kamera ist, was sich hinter diversen Icons verbirgt und generell mehr. Aber …
Verdammt! Ich trau’ mich nicht, überall unbedarft herumzudrücken und zu probieren!
Was macht man in der Situation?
Man erinnert sich, dass man einen guten Freund auf Twitter hat. Der bedauernswerte Christian ist jetzt der Mann der Stunde, der mit besänftigender Stimme und per Tweet  die in Wallung geratene Smartphone-Neubesitzerin aus Hamburg beruhigt.
Manche Dinge sind so simpel, aber ich würde nie darauf kommen!
Offensichtlich denkt dies aber der Hersteller, denn er erwähnt nie etwas zu meinen Fragen im besagten Benutzerhandbuch …

Ich stelle mir jetzt die vielen unter Ihnen vor, für die ein Smartphone oder das iPhone seit langem zum Alltag gehören und die jetzt grinsend denken: Na, ganz schöne Anstellerei. Hat sie denn nie mit PC etc. zu tun?
Doch, habe ich! Aber das ist irgendwie nicht vergleichbar.
Trotzdem haben Sie völlig recht, es ist Anstellerei! Und zwar so lange, bis das verfluchte Ding geht und mir gehorcht! Was ich bei Menschen nie verlange, erwarte ich von diesem schwarzen Blink-, Piep- und Nerven-strapazier-Ding: es soll sich mir gefälligst unterordnen und sich anpassen!
Wie bitte? Das klappt nicht?
Super, habe ich auch schon gemerkt!
Darum lese ich jetzt weiter im Büchlein und übe.
Komm her, mein Liebling, wir werden jetzt Freunde. Hast du verstanden? Du …!

Ich denke, ich werde irgendwann hier im Blog nebenbei  einen Satz einflechten, wenn ich weiß, wie ich ins Internet komme oder Twitter einrichte. So à la: Ach, übrigens, ich twittere von meinem verdam…. verdammt starken Smartphone. Nein, nein, war nicht so schwer …! (Finger gekreuzt hinter dem Rücken).

(Ergänzung im Januar 2012: Es ist sehr erhellend, später einmal in Blogbeiträge hineinzuschauen. Mein Handy begleitet mich jetzt seit 11 Monaten, und es funktioniert. Soweit ich lernen und entdecken will! Ich bin nicht so extrem hinter all den Finessen her …)

©Februar 2011 by Michèle Legrand

Advertisements

, , , , , , , , , ,

  1. #1 von Christian Scheinhardt am 27/02/2011 - 09:14

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

törichtes Weib --- das Leben geht weiter

PRIVATES Tagebuch /// Geschriebenes & Geknipseltes & mehr... so ein 365 Tage Dings von Follygirl

Joesrestandfood

Der Restaurant-Test und mehr. Hier werden Restaurants, Events und außergewöhliche Lokationen vorgestellt und bewertet.

Linsenfutter

Naturbeobachtungen aus Hamm und dem Rest der Welt ~~~~~~~~~~ mit über 1000 Beiträgen und unzähligen Fotos.

Deine Christine!

...mein altes, neues Leben mit MS...

%d Bloggern gefällt das: