Von Hausschleppern und Melonenträgern

Es kommt irgendwie alles wieder … Mode, meine ich.
Die Siebziger haben es (schon etwas länger) geschafft. Jeanskleider mit Stickerei, Ballonärmel, helle Wildlederstiefel – alles bunt kombiniert. Dann dieser Crinkle-Look, dessen hauptsächlicher Vorteil es ist, dass er mehr Falten hat als man selbst. Der Hippie-Stil. Exzentrische Accessoires. Blumenmuster.

Offensichtlich kann auch die Tatsache, dass die Wilden Siebziger, die Ugly Decade genannt werden, nicht daran rütteln, dass alles wieder hochbegehrt ist. Momentan fehlt noch ein bisschen die glitzernde Schlaghose (ABBA!) und generell das gute alte Polyester.
Doch vielleicht erlebt auch dies ein Revival, denn zurzeit ist keine Ende dieses Looks in Sicht.
Aus dem Hippie- entwickelte sich damals der Disco-Stil  mit eben der schon erwähnten Schlaghose, den Hot-Pans plus Overknees und – ja, völlig richtig – den Plateau-Sohlen! Die haben wir inzwischen  auch wieder in der Auslage bzw. als Klumpen am zarten Fuß –  fast so schwer wie die Sträflingskugel  an der Kette eines Gefangenen.

Mit Farben und Mustern wurde nicht gespart – auch heute nicht! Patchwork war das Schlagwort.
Nicht nur beim Kombinieren der einzelnen Teile wild durcheinander, sondern auch bei der Auswahl der Materialien. Ein verwegener, phantasievoller Mix aus Fellresten, Lederflicken, Plüschbesatz, Voile, Cordfetzen, Nickyeinsatz, Kordelanhängern, Satinmanschetten, etc.
Ich muss zugeben,  ich fand es gleichzeitig verschreckend und wundervoll. Es kam halt auf den Stoff und die Farbkombination an. Ich mochte zwar keine Polyester-Röhrenhosen, die mir wie eine Wurstpelle an den Oberschenkeln klebten, aber … Patchwork!

Ich oute mich!
Ich habe damals etwas gemacht.

Von einem Stoffversand bekam meine Mutter in größerem Abstand Kataloge mit kleinen Probeläppchen der verschiedenen Stoffarten und –farben zugesandt. Sie brauchte sie meist irgendwann nicht mehr, und der Versandhandel forderte sie nie zurück.
Ich nahm mir also eine Schere und trennte jeweils ungefähr 300 Ministofffetzen aus jedem diesem Wälzer heraus. Aus sehr einfachem, günstigem und unifarbenem Stoff aus dem Laden, nähte ich mir Oberteile oder Etuikleider, die dann übersät wurden mit der Ausbeute des Kataloges.
Kreuz und quer, bunt durcheinander, an- oder übereinanderlappend – nur gebändigt durch eine Einfassung (Satin- oder Samtband) am Saum, den Ärmelausschnitten und dem Kragen.
Oder ich nähte diese Fetzen gleicher Größe farblich abgestuft aneinander, fütterte das Ganze und machte daraus Handtaschen mit Regenbogenmuster oder anderem Farbverlauf.
Es war der Einstieg.
Irgendwann erstand ich Reste im Geschäft, um mir gezielt Farben und Strukturen heraussuchen zu können. Es wurden dann nicht nur bunte Handtaschen, sondern welche, die aussahen wie Koffer, wie Parkhäuser, wie Boote oder Autos. Andere zeigten auch Landschaften mit Bergen oder hatten Sternenhimmel aufgenäht.
Leider waren sie auf die Dauer nie besonders stabil. Schwere Belastung, Reibung, etc. schadeten enorm. Irgendwann änderte sich natürlich auch der Stil meines Geschmackes. Es lässt sich nicht vertuschen, dass eine derartige Tasche keinen besonders seriösen Look im Büro abgibt. Ganz abgesehen davon, dass die Mode generell eine andere Richtung nahm!

Von Nähen war es nicht sehr weit zum Stricken. Es folgten die Motivpullover. Ich habe vorhin verzweifelt nach einem Pullover gesucht, den ich dachte, noch auf dem Dachboden aufbewahrt zu haben. Ich habe ihn leider bisher noch nicht wiederentdeckt (für ein Foto). Er hatte vorne Elefanten, die auf einem Weg in Bauchnabelhöhe von rechts nach links marschierten, dann eine Leiter hochstiegen (ja, Elefanten!) und dort wieder einen Weg zurückgingen bis zur nächsten Leiter, die  noch einen Stock höher führte… Die letzte Leiter endete an dem Schild: Urwald!
Wie bitte?
Der Sinn der leiterkletternden Elefanten? 

Muss denn alles Sinn machen?
Mir gefiel es einfach …
Einziges Problem: Wolle ist meist kratzig und dadurch trug ich es dann doch nie …

Wie kamen wir  eigentlich gerade auf das Thema?
Richtig, ich lief an einem Geschäft vorbei, das in der Schaufensterauslage ‚neuartige’  Handtaschen zeigte.

Etwas für Hausschlepper und Wassermelonenträger (siehe Titel) …

Handtasche "Hausform" -  gesehen bei Steffi-Moden (Wandsbek) - Feb. 2011

Handtasche „Hausform“ – gesehen bei Steffi-Moden (Wandsbek) – Feb. 2011

Handtasche u. Verpflegung dabei..
(oben und Mitte)

Handtasche  "Wassermelone"  - gesehen bei Steffi-Moden (Wandsbek) - Feb. 2011

Handtasche „Wassermelone“ – gesehen bei Steffi-Moden (Wandsbek) – Feb. 2011


Patchwork Revival (unten)

Handtasche "Patchwork-Look" - gesehen bei Steffi-Moden (Wandsbek) - Feb. 2011

Handtasche „Patchwork-Look“ – gesehen bei Steffi-Moden (Wandsbek) – Feb. 2011

PS
Danach startete bei mir die Phase des Erschaffens von charakterstarken Figuren aus Stein.
Genauer gesagt aus Steinen. Mehrzahl.
Steinwichte geformt aus Steinen vom Straßenrand, aus dem Garten, vom Urlaub an der See o. ä.  Ganz flache Kiesel für die Füße, diverse andere Formen und Größen für Körper und Gliedmaßen.  Pat und Patachon gab es,  Männer, Frauen,  mal elegant, mal eher knorrig, dürr, riesig, winzig … Zusammengehalten von Kleber, Zement, zum Leben erweckt mit etwas Farbe und einem Pinsel für das Auftragen der Gesichtszüge,  und natürlich brauchte ich  Hanf/Sisal. Denn auch ein Steingnom träumt von Haaren.

Wer weiß, wer weiß – vielleicht erleben wir ja auch hier eine Wiederauferstehung dieser Modeerscheinung…

©Februar 2011 by Michèle Legrand

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  1. #1 von Heartafire am 07/09/2016 - 22:35

    wonderful series of photographs of the Catwalk and models, splendid work. I really enjoyed!

    Gefällt mir

    • #2 von ladyfromhamburg am 08/09/2016 - 11:05

      Thank you, Holly. I just noticed that you visited some of the posts I published during the Model Contest decisions, too. Pleased to hear that you enjoyed particularly the action on the Catwalk. The participants of this contest had to learn quite a lot to make it to the finals.

      Have a nice day!
      Michèle

      Gefällt 1 Person

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