Meine Wurzeln?

Es geht wieder los!
Dieses Namensdingens.
Eingefleischte Leser kennen meine schon recht umfangreichen Erlebnisse rund um den Namen Michèle (auf den ich tragischerweise getauft wurde). Ich verweise nur der guten Ordnung halber noch einmal auf die Geschichte
https://michelelegrand.wordpress.com/2010/11/10/dass-man-da-aber-auch-kein-mitspracherecht-hat/

Gerade eben klingelte das Telefon. Das Display zeigte eine mir unbekannte, nicht enden wollende Nummer mit einer Auslandsvorwahl an.
Soso. Wer kann denn das sein?
Ein Anruf aus Norditalien!
Eine nette, leicht mit Akzent sprechende Dame, ruft im Auftrag einer Firma an, die landwirtschaftliche Produkte auf Biobasis und Weine aus der Region vertreibt. Ein bisschen erstaunt höre ich zu. Ihr Einstiegssatz in Frageform lautet:
„Sie essen doch bestimmt auch gern italienisches Essen?“
Das ist geschickt.
Wer mag das schon gar nicht und würde sofort mit einem: „Igitt, bleiben Sie mir damit vom Leib!“ blocken?
Ich unterbreche sie trotzdem relativ schnell und teile mit, dass ich lieber vor Ort kaufe, anstatt aus dem Ausland Lebensmittel zu bestellen. Sie solle es bitte nicht persönlich nehmen. Insgeheim bin ich immer noch verblüfft, nach welchen Kriterien man meine Telefonnummer ausgewählt hat. Kaum gedacht, folgt ihrerseits ein Satz, der mir einiges klarmacht:
„Wir dachten nur, dass Sie aufgrund Ihrer Wurzeln vielleicht ein wenig durch unsere leckeren, original italienischen Waren an Ihre Heimat erinnert werden möchten …“
Dabei rollt sie auf sehr charmante Art das ‚R’ in lecker.
Nein, so etwas aber auch!
Das hatte ich bisher nicht dabei! Diese Variante ist neu, und es erheitert mich kolossal!
Ich gehe meine Wurzeln noch einmal durch:
Relativ deutsch mit einem Großvater schwedischer Herkunft, einem französischstämmigen Opa, einer tschechischen Oma, einer Oma aus Dortmund…. Nein, definitiv nichts aus Italien dabei.
Ich frage also, wie Sie darauf kommt. Nun, erklärt sie mir, das wäre doch glasklar. Michele sei doch eindeutig ein italienischer Vorname!
Aha, das wurde wieder einmal der accent grave auf dem ersten ‚e’ unterschlagen, der mich zur Frau macht …
Ich werfe ein, dass Michele aber doch – wenn überhaupt – die männliche Form für Michael sei (Michela wäre weiblich).
„Ach so, ja stimmt …“
Ich bilde mir ein, ihr Gesicht grübelnd und mit sich quer auf der Stirn bildenden Denkerfalten zu sehen. Nach einer kleinen Pause wird sie quasi erleuchtet:
„Ach so, dann ist das wohl Ihr Mann, oder?“
Nein, Michèle hat keinen Michele aus Italien …
Es folgt noch etwas Smalltalk, bei dem auch dies geklärt wird.

Wir verabschieden uns kurz danach in aller Freundschaft, und ich überlege, ob als jetzt nächste vielleicht die Verkäuferin beim Geflügelhändler einen Anruf bekommt.
Sie heißt Carmen und ist blond.
Unter Umständen werden ihr spanische Bioartikel angeboten … aufgrund ihrer Wurzeln.

©Februar 2011 by Michèle Legrand

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