E-Mail von Dr. Eckart von Hirschhausen (oder seinem Team) …

E-Mail_von_einem_speziellen_Doktor.MP3
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Gestern Abend entfuhr mir auf Twitter ein „gulp“.
Ein von mir nicht gerade häufig verwendetes Wort. Generell ist die Sprache der Sprechblasen bei mir doch eher unterrepräsentiert, nur  bei einem 140-Zeichen-Tweet ist der Platz begrenzt. Ein „gulp“ ist schon hilfreich um anzudeuten, worum es geht.

Nun, es war das Verblüfftsein, das Trockenschlucken über eine von mir ziemlich unerwartet empfangene Mail des Dr. Eckart von Hirschhausen!
Wie es dazu kam?
Ja, merkwürdig – ich gebe es zu, denn ich bin so gar nicht der Promi-Schatten,  der Star-Sucher, der VIP-Lechzer – mit einer Ausnahme, die ich auch gar nicht mehr verheimlichen kann, weil ich schon mehrmals enthusiastisch auf ihn hingewiesen habe. Sie wissen schon, wen oder was ich meine: meine 25jährige Bekanntschaft zu und moderate Verfolgung von Stephen Fry.
Doch zurück zu Eckart von Hirschhausen.
Wir könnten eigentlich  eine kleine Weihnachtsgeschichte kreieren:
Es war einmal ein recht interessanter Doktor der Medizin, der sich wohl irgendwann überlegte, seine Praxis auf  deutsche (deutschsprachige) Bühnen zu verlegen.
Vielleicht, um mehr Leute zu sehen.
Eventuell, um mehr Menschen auf einmal behandeln zu können.
Ebenfalls gut möglich, dass er andere Arbeitszeiten vorzog.
Ziemlich sicher auch, um sich den ständigen Ärger mit der Gesundheitsreform und den quakenden Krankenkassen zu ersparen.
Er wird noch mehr Gründe gehabt haben, und sein jetziger Job scheint ihm auch sichtlich Spaß zu machen!

Nun begab es sich, dass besagter Doktor der Medizin, der den schönen Namen Eckart von Hirschhausen trägt, im Jahre 2009 vom Hamburger Abendblatt beauftragt wurde, im Jahr 2010 eine wöchentliche Kolumne zu schreiben.
Sie haben es tatsächlich geschafft (und ich glaube ebenfalls die Berliner Morgenpost),  dass er zusagte und immer am Sonnabend auf der ersten Seite seine Sprechstunde abhielt.
Er verknüpfte gekonnt neueste Erkenntnisse und Forschungsergebnisse aus der Medizin, der Naturwissenschaft und der Psychologie mit  Beobachtungen aus unser aller Alltag, illustrierte alles fürs Kopfkino mit  sehr anschaulichen, oftmals urkomischen Beispielen und pflegte insgesamt mehr den saloppem Ton.
Alles in allem richtig lesenswert, empfehlenswert und vor allem erhaltenswert!

Letzten Sonnabend erwähnte er, dass dies erst einmal die letzte Kolumne sein würde.
Schreib-Diät!
Ziemlich am Ende des Textes äußerte er noch diesen Wunsch:
Schreiben Sie mir doch bitte einmal, wie Ihnen diese Kolumne gefallen hat!
Als Bühnenkünstler wüsste er schon gleich am Abend beim Ausprobieren seiner Texte, ob nur er sie für lustig hält. Bei einem Artikel in der Zeitung fehle ihm als Autor oft die Rückmeldung, das Feedback.
Was gefiel Ihnen? Was ist Ihnen im Gedächtnis geblieben?
Und ja, es ist auch erlaubt und erbeten zu kritisieren, wenn etwas nicht gefiel.
Danach folgte eine E-Mail-Adresse.
Da saß ich nun. Leicht stirnrunzelnd. Nicht missbilligend, vielmehr überlegend.
Ich gebe ja ungern meinen Senf dazu, wenn ich nicht vollständig informiert bin. Seine Kolumnen allerdings habe ich alle – komplett – gelesen!
Ich schreibe auch nicht ungefragt oder rücke den Herrschaften unerwünscht auf die Pelle. Nur – hier bettelte  jemand förmlich um eine Mail …
Gesagt, getan.
Ich setzte mich an den Laptop.
„Lieber Herr Dr. von Hirschhausen …“  Es folgte nicht ausschließlich ein Honig um den Bart schmieren! Neben Lob allgemein und für besonders spezielle Folgen, erwähnte ich auch die eine Ausgabe der Kolumne, die ich wirklich ‚schwafelig’ fand.
Dennoch hat der Herr Doktor einen Superschnitt geschafft: von 52 Prüfungen, denen er sich quasi bei mir unterzog, hatte ich nur einmal ein wenig der Rotstift angesetzt und geschrieben: Sie weichen vom Thema ab. Ihre Gedankengänge wirken ein wenig konstruiert, an den Haaren herbeigezogen. Es wurde ‚passend’ gemacht.
Meine Kritik war abgeschlossen, am Ende folgten gute Wünsche für das Fest und weg war die Mail, abgesandt in die Weiten des www.
Schon gestern Abend erhielt ich seine Reaktion. Ich behaupte nicht, dass ich die einzige bin, die diese Mail bekommen hat. Mir scheint es ein sehr nett vorbereiteter Text für alle Feedback-Geber zu sein. Sie wirkt jedoch sehr persönlich, und was ich zudem sehr stilvoll finde, ist:

a) Er fragt überhaupt nach Feedback! (Obwohl er genauso wie viele andere einfach davon ausgehen könnte, dass er der Größte ist und seine absolut genialen Texte immer ankommen)
b) Er antwortet tatsächlich und auch noch prompt, bedankt sich und gibt weitere Informationen
c) Er schickt als Extra-Dankeschön im Anhang eine Exklusiv-Weihnachtskolumne

Jetzt könnte ich natürlich sagen: „Ach,  Herr Doktor, das wäre doch nicht nötig gewesen …!“ Doch ich muss zugeben, es hat mich gefreut! Und es hat mich noch mehr erfreut, dass er selbst es für nötig hielt!
So, Herr Dr. von Hirschhausen, falls Sie diesen Bericht lesen sollten, werden Sie merken, dass Sie dadurch jetzt einen Stein bei mir im Brett haben.

Allerdings gefällt es mir überhaupt nicht, dass die Kolumne jetzt eingestellt wird!
Herr Doktor, ich hätte da einen Weihnachtswunsch …

Hirschhausen_com_foto_anhang_mail

So begann die geschenkte Dankeschön-Kolumne…

©Dezember 2010 by Michèle Legrand

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  1. #1 von Verstoerer am 21/12/2010 - 18:43

    Sehr schön zu lesen. Ich finde den Herrn Dr. auch meist lustig, Abendblatt lese ich allerdings seit dem ich aus HH weg bin, nicht mehr. Sei es drum, danke für das Teilnehmen lassen an der Sache. P.

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  2. #2 von theladyfromhamburg am 21/12/2010 - 20:05

    Danke für deinen Kommentar!. Schön, wenn’s dir sogar ohne das Kennen der Kolumne gefallen hat… ;)

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