E-Mail von Dr. Eckart von Hirschhausen …

Gestern Abend reagierte ich höchst verblüfft, als ich mein Postfach aufrief. Mein elektronisches. Ein bisschen trocken habe ich schon geschluckt, als ich merkte, dass eine Mail von Dr. Eckart von Hirschhausen eingetroffen war.
Wie es dazu kam?
Ja, merkwürdig – gerade weil ich so gar nicht der Promischatten, der Starsucher, der VIP-Lechzer bin – mit einer Ausnahme vielleicht: Es gibt eine 25jährige Bekanntschaft und moderate Verfolgung des Schaffens von Stephen Fry (was ich hier im Blog bereits erwähnte). Ich bin jedoch niemand, der ansonsten Post aus Promikreisen erwarten dürfte.

Zurück zu Herrn von Hirschhausen. Stellen Sie sich folgendes Szenario vor:
Es war einmal ein recht interessanter Doktor der Medizin, der sich vermutlich irgendwann überlegte, seine Praxis auf  deutsche (deutschsprachige) Bühnen zu verlegen.
Vielleicht, um mehr Leute zu sehen.
Eventuell, um mehr Menschen auf einmal behandeln zu können.
Ebenfalls gut möglich, dass er andere Arbeitszeiten vorzog.
Ziemlich sicher auch, um sich den ständigen Ärger mit der Gesundheitsreform und permanent quakenden Krankenkassen zu ersparen.
Er wird noch mehr Gründe gehabt haben. Er zog fortan durch die Lande und machte „Hausbesuche“ im größeren Stil. Diese Form der Jobverknüpfung und -ausübung scheint ihm auch sichtlich Spaß zu machen.

Es begab sich, dass besagter Doktor von Hirschhausen im Jahre 2009 vom Hamburger Abendblatt beauf-
tragt wurde, im Jahr 2010 eine wöchentliche Kolumne zu schreiben. Die Zeitung hat es tatsächlich geschafft (ich glaube die Berliner Morgenpost ebenfalls), dass er zusagte und regelmäßig am Sonnabend auf der ersten Seite seine Sprechstunde abhielt.
Er verknüpfte gekonnt neueste Erkenntnisse und Forschungsergebnisse aus Medizin, Naturwissenschaft und Psychologie mit Beobachtungen aus dem Alltag, illustrierte alles fürs Kopfkino mittels sehr anschaulichen, oftmals urkomischen, Beispielen und pflegte dabei insgesamt den eher saloppen Ton.
Alles in allem richtig lesenswert, empfehlenswert und vor allem erhaltenswert!

Letzten Sonnabend erwähnte er, dass dies erst einmal die letzte Kolumne sein würde. Er verordnete sich selbst eine Schreib-Diät. Fast am Textende äußerte er noch diesen Wunsch:
Schreiben Sie mir doch bitte einmal, wie Ihnen diese Kolumne gefallen hat!
Als Bühnenkünstler wüsste er schon gleich am Abend beim Ausprobieren seiner Texte, ob nur er sie für lustig hielte. Bei einem Artikel in der Zeitung fehle ihm als Autor oft die Rückmeldung, das Feedback. So fragte er: Was gefiel Ihnen? Was ist Ihnen im Gedächtnis geblieben? Und ja, es sei auch erlaubt und erbeten zu kritisieren, wenn etwas nicht gefiel. Danach folgte eine E-Mail-Adresse.

Da saß ich nun. Leicht stirnrunzelnd. Nicht etwa, weil ich es missbilligen würde, nein ich überlegte.
Ich gebe ungern meinen Senf irgendwo dazu, wenn ich nicht vollständig informiert bin. Seine Kolumnen allerdings habe ich alle und jede komplett gelesen!
Ich schreibe auch nicht ungefragt, rücke den Herrschaften nicht unerwünscht auf die Pelle. Nur – hier bettelte  jemand förmlich um eine Mail …
Gesagt, getan. Ich setzte mich an den Laptop.

„Lieber Herr Dr. von Hirschhausen …“
Ich habe ihm nicht ausschließlich Honig um den Bart geschmiert! Neben allgemeinem Lob und anerkennenden Worten für spezielle Folgen, erwähnte ich auch die eine Ausgabe der Kolumne, die ich als wirklich ‚schwafelig’ empfand. Dennoch hat Herr von Hirschhausen einen Superschnitt geschafft: von 52 Prüfungen, denen er sich quasi bei mir unterzog, hatte ich nur einmal ein wenig den Rotstift angesetzt und geschrieben:
Sie weichen dort sehr vom Thema ab. Ihre Gedankengänge wirken ein wenig konstruiert, an den Haaren herbeigezogen. Es wurde allzu passend“ gemacht.
Nach Fertigstellung der Kritik folgten am Ende gute Wünsche für das Fest und weg war die Mail, abgesandt in die Weiten des www.

Gestern nun die Reaktion. Ich gehe nicht davon aus, dass ich die einzige bin, die diese Mail bekommen hat. Mir scheint es ein sehr nett vorbereiteter Text für alle Feedback-Geber zu sein. Sie wirkt dabei jedoch sehr persönlich, und was ich zudem an dieser ganzen Angelegenheit sehr stilvoll finde, ist:

a) Dr. Eckart von Hirschhausen fragt überhaupt nach Feedback!
(Obwohl er genauso wie viele andere einfach davon ausgehen könnte, dass er der Größte sei und seine absolut genialen Texte ein Selbstgänger wären.)
b) Er antwortet tatsächlich und auch noch prompt, bedankt sich und gibt weitere Informationen!
c) Er schickt als Extra-Dankeschön im Anhang eine Exklusiv-Weihnachtskolumne

Ich möchte fast verlegen murmeln: „Ach,  Herr Doktor, das wäre doch nicht nötig gewesen …!“ Doch ich gebe zu, es hat mich gefreut! Die Geschenkkolumne und die Tatsache, dass er es selbst als nötig empfand.

Herr Dr. von Hirschhausen, falls Sie diesen Bericht zufällig lesen: Sie haben dadurch bei mir einen großen Stein im Brett! Tja, nur schade, dass Ihre die Kolumne jetzt eingestellt wird.

Ähm, Herr Doktor, ich hätte da einen Weihnachtswunsch …

..
.

©Dezember 2010 by Michèle Legrand

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  1. #1 von Verstoerer am 21/12/2010 - 18:43

    Sehr schön zu lesen. Ich finde den Herrn Dr. auch meist lustig, Abendblatt lese ich allerdings seit dem ich aus HH weg bin, nicht mehr. Sei es drum, danke für das Teilnehmen lassen an der Sache. P.

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  2. #2 von theladyfromhamburg am 21/12/2010 - 20:05

    Danke für deinen Kommentar!. Schön, wenn’s dir sogar ohne das Kennen der Kolumne gefallen hat… ;)

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