Schwierigkeiten mit der perfekten Glückwunschkarte

Ich habe mich gestern doch ein bisschen amüsiert …

Meine Mama sowie mein Stiefpapa sahen zum ersten Mal die neue Wohnung, die meine Tochter und ihr Freund gemeinsam bezogen haben. Ende August war die Übergabe, danach stand die Renovierung an. Im September erfolgte der Einzug, aber irgendwie klappte es bisher nicht mit der Besichtigung durch die Großeltern.
Nun endlich!
Beide sind nach dem Rundgang begeistert und haben der Enkelin sogar ein kleines Geschenk zum Einzug mitgebracht  Daran ist eine Karte befestigt. Auf ihr ist vorne zu lesen:
„Glückwunsch zum Einzug“.
Darunter ca. zehn Sprechblasen mit passenden Sprüchen. „Alles Gute im neuen Heim“, „Fühl dich wohl in den neuen vier Wänden“, „My home is my castle“ usw.
Die Enkelin findet sie originell. Ihre Oma sieht etwas unschlüssig aus, holt Luft … nur sagt dann doch nichts. Noch nicht!
Meine Tochter will die Klappkarte öffnen, nur meine Mutter stoppt sie.
„Warte! Ich fand die Karte auch originell. Nur, wundere dich nicht, wenn jetzt im Innern nichts mehr weiter steht! Mensch, erst fand ich die Karte so klasse! Originell, passend und perfekt –  aber zu Hause habe ich EINE Stunde gesessen und nicht gewusst, was ich schreiben soll, weil die alles, aber wirklich ALLES, schon vorne gedruckt haben.“
Sie verzog ihr Gesicht, der Blick war komisch verzweifelt.
Ach, ich konnte es mir bildlich so gut vorstellen!
Meine Mama. Anfangs ungebremster Tatendrang. Ran ans Werk!
So, jetzt schreibe ich schnell die Karte fertig!
Voller Elan nimmt sie Platz am Tisch, die Brille auf der Nase. Bei jeder Idee die Kontrolle, der Abgleich, ob es eventuell schon vorne steht. Und jedesmal:
Schiet, der Spruch ist auch schon da!
Die Zeit läuft. Es wird am Stift gekaut, gebrütet, es werden Ideen verworfen. Es wird geseufzt, irgendwann auch enerviert gemosert. Herrschaftszeiten …!
Ja, so oder ähnlich muss es gewesen sein …
Ich versuche, mir ein Grinsen zu verkneifen.
Die Enkelin darf nun die Karte öffnen. Dort steht geschrieben:
„Liebe C., die Kartengestalter hätten mir auch mal einen Satz übrig lassen können!“

Danach jedoch folgen ein paar ganz persönliche Glückwünsche für die Zukunft der beiden.
Das stand nämlich nicht auf der Karte! HA!

Ich könnte mir vorstellen, dass der Blick meiner Mama nach Fertigstellung der Karte doch eine gewisse Erleichterung zeigte und  bestimmt auch etwas … Triumphierendes hatte.

©Dezember 2010 by Michèle Legrand

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