Kleber, Tacker oder Besen?

In den letzen Wochen haben sie wieder diese Krankheit. Die Blätter.
Oder die Bäume.
Oder liegt es an den Ästen?
Jedenfalls schmeißen sie.
Die Blätter ab und in die Gegend. Und wenn es nicht die Bäume und Äste sind, dann sind es die Blätter selbst, die eine spezielle Krankheit haben: die Laubfallsucht. Sie wiederum löst bei einem meiner Nachbarn einen ganz ähnlichen Infekt aus: die Laubtobsucht!
Sie dürfen dem Herrn nicht mit so etwas kommen wie Chemie, Physik, wenig Licht, kühleren Temperaturen, dem Jahreskreislauf, Herbst oder sonstigen logischen Argumenten.
Er hasst es, Laub zu entfernen und zeigt es recht deutlich. An friedlichen Tagen steht er mit nur heruntergezogenen Mundwinkeln und kummervoller Leidensmiene auf den Stiel des Besens gebeugt und brütet über die Last und diverse Ungerechtigkeiten des Lebens. An aufmüpfigen Tagen hingegen, knallt er den Besen schon einmal in die Ecke, mosert während seiner Selbstgespräche und ist immer kurz davor Leute anzublaffen, die zufällig seinen Weg kreuzen.
Irgendwo will der Mensch eben immer seiner Frust loswerden …
Das eigentliche Übel ist meiner Ansicht nach die Tatsache, dass er extrem langsam agiert und somit schlecht vorankommt. Vielleicht würde mir auch die Lust vergehen, wenn ich zu allem Stunden und Tage bräuchte. Und das ist etwas, was ihm ganz offenbar zusätzlich zu schaffen macht: zu sehen, ein anderer ist schneller!
Er  könnte oder wird sich damit beruhigen, dass er gründlicher ist und dass man von seinem gesäuberten Weg essen könnte.
Nur, wer will schon vom Weg essen?

Heute zog ich mir Gummistiefel an und begann draußen mit dem Laubfegen und -rechen. Mein Nachbar stand drinnen am Küchenfenster und bemerkte es. Es löst bei ihm regelmäßig eine milde Form der Panik aus.
Oh, die Nachbarin fegt! Ich muss das jetzt auch tun!
So ist das. Es geht selbstverständlich nicht, dass mein Weg sauberer ist als seiner (das Essen!).
Folglich hatte ich nach zehn Minuten Gesellschaft.
Hurra!
Anfangs war noch alles in schönster Ordnung. Nach einer kurzen Begrüßung folgte stillschweigendes Arbeiten. Bald jedoch verließ ihn wieder die eh schon geringe Lust und so startete der Zetermodus mit gründlichem Herummaulen und wiederholtem Gejammer.
„Es ist alles so sinnlos! Dauernd liegt wieder was!“ – „Wo soll ich mit dem ganzen Laub hin?“ – „Der Besen nimmt gar nicht alles mit …!“ – „… und dann bläst der Wind immer die Haufen auseinander!“ – „Herr und Frau X. könnten bei sich auch mal mehr aufräumen – alles fliegt hier zu mir herüber!“ – „Hier! Hier! Schon wieder Blätter von da drüben!“ – „Die nassen gehen auch nicht weg …!“ -„Das geht ganz schön auf den Rücken …“

So ging es mit erstaunlicher Ausdauer und immer neuen, missmutigen Anmerkungen weiter.
Zuerst versuchte ich ihn aufzumuntern und sagte ihm solche Dinge wie:
„Na, nun sind ja fast alle Blätter unten. Sie haben es bald geschafft!“
Es half für etwa eine halbe Minute, doch danach ging sein Wehklagen weiter.
Irgendwann hat es mir gereicht! Das hält man ja nicht aus!
Bunter Laubhaufen im  Herbst

Inzwischen hatte ich einen ziemlich großen Haufen Laub angehäuft. Nach einem erneuten Herumgenöhle seinerseits, lehnte ich meinen Besen an einen Baum und stellte mich vor meinen Nachbarn auf. Ich erklärte ihm:
„Lieber Herr E., Sie machen jetzt Folgendes: Sie nehmen Anlauf und springen hier in meinen Haufen! Und dabei schreien sie ganz laut:
Yeah, Laub ist der Wahnsinn!“
Er schaute mich völlig entgeistert an, so dass ich erwiderte:
„Gut, ich mache es Ihnen vor.“
Ehe er sich versah, startete ich, sprang ab, landete mit Karacho im Haufen und brüllte:
„Yeah, Laub ist der Wahnsinn!“
Der Nachbar stand völlig erstarrt.
Ich möchte gar nicht so genau wissen, was er gerade über mich dachte … Um ihn aus dieser Starre zu holen, wagte ich einen weiteren, letzten Versuch. Ich grinste ihn an und schlug vor:
„Wenn Ihnen das Fegen so widerstrebt, können Sie die Blätter auch ankleben oder wieder antackern. Dann hätten sie eine Weile Ruhe.“
Offensichtlich hatte ihm das Grinsen gezeigt, dass ich nur Spaß machte, ansonsten aber weiterhin normal bin – wenn auch nicht so normal, wie er es wohl gern hätte.
„Sie sind mir vielleicht eine!“, kam es schließlich schwer schluckend. Er griff resolut nach seinem Besen.
„Ich bleibe beim Fegen!“,  war sein letzter Kommentar, bevor er sich wieder seinem Schicksal ergab.

Ich denke, für das in den Laubhaufen springen ist er einfach noch nicht reif! ^^

PS Ich habe einen Forumskollegen, der vor zwei Jahren ein Video von seinem Laubsalto gepostet hat.
Sie finden es (ich hoffe, auch später noch), wenn Sie den nachfolgenden Link anklicken.

http://s20.photobucket.com/albums/b214/fryphile/Blah%20blah%20blah/?action=view¤t=Leaves.mp4

©November 2012 by Michèle Legrand

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