Ich ruf schnell an – oder: Info an Mama geben

Telefonieren. Sollte ich mal wieder. Möglichst bald.

Das war vor einer halben Stunde mein Gedanke. Einerseits durchaus eine gewisse Lust, andererseits mehrheitlich auch das spontane, aber sichere Gefühl, ich sollte mich tunlichst melden.

Zuerst horchen, wie es der Mama so geht, ihr aber auch gleich sagen, warum mein Auto heute schon um halb elf wieder vor der Tür stand.

Wir wohnen nicht sehr weit auseinander, und wie früher, in engen Dorfgemeinschaften, wird gern geschaut und aufgepasst. Huch, das Auto ist da! Sie muss doch arbeiten am Dienstag! Muss sie heute gar nicht arbeiten?

Von da ist es bei meiner Mutter nicht weit zu dem Gedanken: „Sie ist krank!  Da ist doch was passiert!“ Und es wäre nicht meine Mama, wenn sie sich dann nicht alles in den schrecklichsten Bildern ausmalen würde. Eingegipste Gliedmaßen, Krankenwagen vor dem Haus – das volle Programm.

Ich wiederum mache mir dann immer Sorgen, dass sie sich unnütz aufregt. Wegen solcher Lappalien einen halben Herzanfall bekommt.

Daher der Supereinfall: Ruf’ sie an. Jetzt.

Gesagt getan, Gar nicht so einfach, sie daheim zu erreichen. Das Handy unterwegs natürlich nur an, wenn sie selber telefonieren will… Doch ich habe Glück, sie nimmt schon nach dem  zehnten Klingeln ab.

Sie meldet sich, und ich antworte mit dem sinnigen: „Ich bin’s.“ Mütter wissen ja sowieso, dass das dann der Nachwuchs ist.

Klappt generell auch gut, nur heute stimmt mein Sprechorgan  nicht mit der normalen Stimme überein, ist demnach auch nirgends bei Mama abgespeichert.  Ein Infekt hat mich stimmmäßig in die Nähe von Lee Marvin gebracht und irritiert die Gesprächspartnerin am anderen Ende der Leitung.

„Hallo?“

Ich melde mich noch einmal mit meinem Vornamen, der aber undeutlich herüberkommt. So stelle ich mir einen Jungen im Stimmbruch vor, bei dem zwischendurch die Stimme ganz aussetzt.

Mama unterhält sich nun nach hinten sprechend mit ihrem Gatten. „Entweder will mich jemand veräppeln, hat sich verwählt oder spricht kein Deutsch. Ich glaub’ ich leg auf.“ Wuups! Der Hörer liegt auf der Gabel. Tuuuuut!

Ich versuche es erneut. Sie geht auch tatsächlich noch einmal an den Apparat. Diesmal bin ich schnell und sag: „Halt, nicht auflegen.“ Ehe ich weiterkomme, ist die Stimme wieder halb weg. Hätte doch mit dem Namen  beginnen sollen.

„Hallo?“, kommt es wieder von der anderen Seite. Ich spreche sie auch als Mama an, doch sie glaubt es nicht!! Zu fremdartig klingt es. Jetzt holt sie meinen Stiefpapa an das Telefon. Der Arme! Er ist der absolute Nichttelefonierer. Drückt sich, wann immer er kann. Aber nun muss er ran.

„Hallo?“ Diesmal von ihm. Ich grüße ihn, und die Stimme hält. Nur bin ich  zu leise. Er ist etwas schwerhörig und hat nicht immer sein Hörgerät am Ohr. Er sagt zu ihr: „Da ist gar keiner dran!“  Und – klong – der nächste hat aufgelegt.

Langsam gebe ich es auf. Ein letzter Versuch. Ich lasse es wieder zehn Mal klingeln, doch keiner nimmt ab. Da kann man nichts machen….

Ich wende mich also unserem Hasen zu, der gerade genesen, abends doch noch eine zusätzliche Breimahlzeit bekommt. Aus verdauungstechnischen Gründen. Wir sitzen einträchtig auf dem Fußboden, um die Breiorgie hinter uns zu bringen, als das Telefon klingelt. Mit dem Haustier im Arm stehe ich ächzend auf,  und nehme ab (den Hörer, nicht an Gewicht). Der Hase, äußerst redselig wieder und offensichtlich protestierend, weil die Futterzufuhr aufgehört hat, zappelt, und ich  röchele meinen Namen in den Hörer.

Mama ist dran. Und es startet ein Bombardement von Fragen. „Warum stand denn heute dein Auto vor der Tür? Bist du krank? Ist was passiert? Bist du zu Hause?“

MAMA! Ja, ich bin zu Hause, du rufst gerade dort an!!! Ich kann es nur laut denken, denn – wie gesagt – die Stimme streikt.

Wir schaffen es, uns in Zwei-Wort-Sätzen zu verständigen, sie ist irgendwann beruhigt, dass ich nur das Büro eher verlassen habe. Sie erzählt mir noch schnell  von ihren Aktivitäten, von dem komischen Anrufer vorhin…. und die Welt ist wieder in Ordnung.

Was so ein Anruf nicht alles schafft!  … Einer?  EINER????  


PS Die Geschichte erscheint auch auf www.goodnewstoday.de

      Audio-Version ist zur Zeit leider nicht möglich (siehe Grund oben)

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