Hamburg: Nazi-Aufmarsch in Wandsbek – aus unpolitischer Sicht
Veröffentlicht von ladyfromhamburg in Artikel, Allgemein am 02/06/2012
Es wird heftiger. Die Schallwellen der Sprechchöre tönen lauter in unser Wohngebiet. Fast ist es, als skandierten sie ihre Parolen. Zwischendurch aufgeregte, manchmal wütend klingende Stimmen, die ins Mikrofon brüllen. Anheizen. So hört es sich an …
Dies ist kein politischer Blog. Es gibt genügend, die sich des Themas Nazi-Aufmarsch in Hamburg (Wandsbek) ausführlich annehmen und auch die Gegendemonstrationen zahlreicher Gruppierungen hinreichend erwähnen und diskutieren werden.
Es ist heute nicht mein Thema. Keine Politik.
Was mich persönlich gerade irritiert, ist, welche Auswirkungen es auf die sonstige Bevölkerung hat, wie anders die Straßen wirken, wie merkwürdig die fremden Geräusche klingen. Wie misstrauisch Blicke sind. Wie verdreht in solch einer Ausnahmesituation alles abläuft …
Vorgeschichte:
Das Hamburger Verwaltungsgericht erlaubte einem Kläger aus dem rechtsextremen Spektrum eine Kundgebung in Wandsbek mit anschließendem Weiterzug durch diverse umliegende Straßen bis zur Rückkehr an den Ausgangsort.
Zeitpunkt: Sonnabend, 02. Juni 2012. Beginn 12.00 Uhr, Ende ca. 17.30 h.
Prognose bezüglich der Teilnehmeranzahl: ca. 1.000 plus angenommener 3.000 Menschen, die dagegen protestieren werden. Davon wiederum rechnet man 500 (bis 1.000) Personen zum harten Kern, der gewaltbereit ist.
Prognosen. Annahmen …
Das Polizeiaufgebot beträgt 4.000 Mann plus Wasserwerfer u. a.
Die Polizei selbst gestattete anfangs bei Anmeldung der Veranstaltung nur eine Kundgebung an einem festen Ort, doch … das Gericht entschied anders.
Wie wirkt sich ein angekündigter Nazi-Aufmarsch an einem Sonnabend in einem Gebiet aus, in dem sonst kaum einmal derartige Demonstrationen stattfinden?
In dem ein Einkaufszentrum in unmittelbarer Nähe ist, in dem eine vielbefahrene Ein- und Ausgangsstraße die Route der Demonstranten kreuzt, die zudem Einkaufsmeile in Wandsbek ist? (Das Verkehrsaufkommen ist generell hoch)
Wie funktioniert ein Busbahnhof, wie der Taxiverkehr?
„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass es u. a. durch Absperrungen zu erheblichen Beeinträchtigungen kommen wird. In diesem Zusammenhang kann es in den abgesperrten Bereichen zu Personenüberprüfungen kommen. Wir empfehlen, ein Ausweisdokument mitzuführen“.
Soweit das Informationsblatt der Polizei, das an Anwohner im weiteren Umkreis verteilt wurde.
Was heißt das? Welche Bezirke werden im Endeffekt abgesperrt? Davon steht nichts dort. Es gibt allerdings eine Telefonnummer. Das Bürgertelefon, bei dem man sich über die (Verkehrs-)lage vor Ort informieren kann. Im Fall der Fälle.
Der Sonnabend beginnt ruhig, doch die Situation ändert sich bereits am frühen Vormittag. Um 10.30 Uhr überlege ich, ob ich mich tatsächlich auf den Weg zum Einkaufszentrum und Wochenmarkt begebe, welche beide nicht unmittelbar am Demonstrationsort sind. Nur wird dieses Areal sicher auch von ankommenden Teilnehmern angesteuert, da sich dort der ZOB und eine U-Bahn-Station befinden.
Pausenlos kreisen Hubschrauber. Sirenen von Einsatzfahrzeugen ertönen …
Ich starte dennoch. Ich habe kaum meine kleine Seitenstraße verlassen, als schon Blaulicht blinkt. Ein Polizeifahrzeug sperrt die Straße zur einen Seite ab, der Bahnübergang kann aus südlicher Richtung nicht angesteuert werden. Als Fußgänger betrifft es mich natürlich nicht. Ein kurzes Stück weiter, an der folgenden Straßenkreuzung, steht das nächste blinkende Fahrzeug, die nächsten Hütchen blockieren die Fahrbahn. Auch von dieser Seite gibt es keine Zufahrt zur Zugstrecke Hamburg-Lübeck. Es bleibt nur die Möglichkeit umzukehren oder mit Glück in eine Straße abbiegen zu können, die sich vom Demonstrationsort entfernt.
Ich nehme mein Handy aus der Tasche, um meinen Mann vorzuwarnen. Er will am Mittag mit dem Auto zu einem Treffen. Ich erzähle ihm von den Sperrungen direkt vor der Tür und rate nur, sehr frühzeitig zu starten. Misstrauisch beäugt mich ein Mann in Zivil auf dem Fahrrad, der am Beginn der Bärenallee „herumsteht“. Notizblock in der Hand, gelegentlich wirkt es, als spräche er mit sich selbst. Es scheint eher ein Beobachtungsposten. An zwei anderen Punkten sah ich ähnlich ‚unauffällige’ Radfahrer. Ich werde nicht angehalten, offenbar wirke ich doch nicht wie der Informant der Demonstranten, der per Handy durchgibt, wo sich was im Umkreis tut.
Ein Hubschrauber ist direkt über uns. Ein Feuerwehrwagen in Sichtweite. Wenn ich die lange Bärenallee hinunterschaue, sehe ich bis zu dem Punkt, an dem die Kundgebung starten soll. Dunkle Punkte, zuckendes Blaulicht. Ob es Demonstranten sind, die dort stehen oder Einsatzkräfte, Presse etc. lässt sich aus der Entfernung nicht erkennen.
Am Wandsbeker Marktplatz angekommen, ist die Lage unwirklich. Die Hauptverkehrsader wurde komplett gesperrt. Es ist zeitweise gespenstisch ruhig. Vielleicht ein Viertel der Menschen, die sich dort sonst an einem Sonnabend aufhalten, sind zu sehen. Die mehrspurigen Straßen liegen leer vor mir, und ich überlege ernsthaft, ob ich auf das Grün der Fußgängerampel warten muss oder so die Straße überquere. Nur steht in Sichtweite Polizei …
Es wirkt merkwürdig, drei nebeneinander fahrende, über die gesamte Fahrbahnbreite verteilte Radfahrer auf der ansonsten leeren Bundesstraße zu sehen. Ein junger Mann auf Inlineskates hat die Piste auch schon für sich entdeckt.
Am Eingang des Quarrées stehen zwei der hauseigenen Sicherheitsleute. Auch sie behalten die Situation im Blick und sollen verhindern, dass sich die falsche Klientel ins Einkaufszentrum verirrt.
Eine ältere Dame mit Gehstock tritt dort heraus. Sie kauft am Sonnabend gewohnheitsmäßig ein und lässt sich offenbar danach immer von einem Taxi nach Hause chauffieren.
Die Sicherheitsleute des Quarrées erklären ihr, dass heute keine Taxis fahren. Der gegenüberliegende Taxi-Stand liegt verwaist …
„Und ich kriege kein Taxi …?“ Ihr Blick ist völlig ungläubig. „Wie soll ich denn nach Hause kommen?“ Ratlosigkeit. Sie ist den Tränen nahe. „Und die Busse?“
Der Busbahnhof sieht zu diesem Zeitpunkt leer aus. Es wirkt, als sei keine Zufahrt dorthin möglich. Die Sicherheitsleute unterhalten sich weiterhin mit der Dame. Vielleicht habe sie eine Lösung gefunden.
Das Quarrée selbst scheint fast leer. Beim Bäcker steht sonst am Wochenende immer eine Riesenschlange an, heute habe ich eine einzige Dame vor mir, und der Angestellte scheint sich über Kundschaft geradezu zu freuen.
Die Mitarbeiter vom Gemüse- und Obststand dürfen teilweise eher gehen – es ist nichts los.
Genauso sieht es beim Eiscafé aus. Dort, wo es an jedem anderen Sonnabend nur so quillt, mehrere Bedienungen von Tisch zu Tisch eilen – gähnende Leere. Auch hier wird die Belegschaft reduziert.
Die junge Dame bei Zero erzählt mir, dass die Straßensperrung bis 16 Uhr laufen soll – man erhofft danach noch einmal Andrang, denn das Zentrum hat bis 20 Uhr geöffnet.
Zwei junge Männer mit Sportreisetaschen haben vergeblich versucht, heute zu ihrem Trainingsort zu kommen. Sie berichten, dass sie die Polizei 20m vor Fitness First zum Umdrehen gezwungen hat. Keine Chance.
Heute, beginnend am frühen Abend, wollte ich die Teilnehmer des Model Contests QUARREE GESICHTER 2013 erneut bei ihrem Workshop besuchen, der ebenfalls bei Fitness First stattfindet. Wettbewerbsausrichter Alexander Strauß ist bereits seit gestern am rotieren, um seine jungen Teilnehmer nicht in Gefahr zu bringen. Ersatztermine sind im Gespräch. Wie und ob alles stattfindet, wird sich wohl erst in letzter Minute zeigen.
Beim Wiederverlassen des Zentrums ist die Lage eindeutig ernster, bedrohlicher. Ein aus der Richtung der Aktionen kommender Passant erzählt, dass nun ‚mehrere hundert’ dunkel gekleidete Neo-Nazis eingetroffen seien, und er es vorzog zu verschwinden. Und ansonsten? Sitzblockaden, angespannte Situation.
Gebrüll aus der Entfernung. Tröten, Trommeln. Der Hubschrauber kommt nicht zur Ruhe. Die Einsatzkräfte tauschen sich ständig aus.
„Wollen wir mal gucken gehen?“, höre ich eine Stimme. Zwei junge Männer stehen hinter mir an der Ampel, bei der ich wieder nicht weiß, ob ich gehen oder warten soll.
„Nee, lass mal“, sagt der eine. „Mich krallen sie immer raus. Ich hab’ keinen Bock auf Ärger.“
Ich werde auch nicht „gucken“ gehen.
Wieder zu Hause angelangt, erfüllt mich eine gewisse Erleichterung. Die eigenen Wände vermitteln ein Sicherheitsgefühl. Bisher sind es Auswirkungen, die sich im Rahmen halten. Man darf nicht daran denken, was es kostet. Ich spreche nur von den tatsächlichen Belästigungen. Verkehrsbeeinträchtigung, Geschäftsrückgange, unbehagliches Gefühl …
Mir ist jedoch höchst unwohl bei dem Gedanken, was dort heute vielleicht noch alles abläuft, wer sich trifft oder aufeinandertrifft.
Ich hoffe, es geht friedlich ab.
Ich hoffe, es gibt keine schweren Verletzungen. Auf keiner Seite.
Keine Zerstörung, Verwüstung, brachiale Gewalt o. a.
Ich wünsche mir … im Grunde wünschte ich mir, dass es Demonstrationen solcher Art (!) überhaupt nicht gäbe, dass einfach keiner sie (Anlass, Art und Weise) für nötig erachtete!
Dass sie …
Nein! Dieser Blog ist nicht politisch …
Nachtrag am 02.06.2012 – 22.00 Uhr
Die Hoffnung war leider vergeblich. Angezündete Barrikaden, 19 (durch linke Demonstranten) verletzte Polizisten (mit Steinen, Flaschen und Böllern beworfen), 12 Verhaftungen, 63 Menschen, die vorübergehend in Gewahrsam genommen wurden, Hunderte, die nach Veranstaltungsende festgehalten wurden. Straßenzüge, die stellenweise einem Katastrophengebiet ähneln … So meldeten es eben die Nachrichten.
Ich kommentiere dies nicht.
Vorsicht Glatteis!
Veröffentlicht von ladyfromhamburg in Artikel, Foto, Geschichte am 31/05/2012

28.05.2012. Pfingstmontag.
Ein Tag mit Sommer-Juli-Freibad-Temperaturen. Draußen und im Auto sowieso.
Ich bin unterwegs in den Westen Hamburgs und schwanke während der Fahrt etwas unschlüssig zwischen Fenster auf und Wind oder Fenster zu und Klimaanlage. Fenster auf gewinnt, die Sonne scheint auf die Arme, ein Lüftchen umweht mich, und alles ist immer genau so lange gut, bis eine Ampel auf Rot springt und ich länger stehen muss. Dann heizt sich der Wagen im Nu auf. Nur kurz vor Ende der Reise die Klimaanlage noch hochzufahren, ist Energieverschwendung bzw. es ist auch so sinnlos, denn was nützt es, wenn sie es noch knapp schafft, Kühlschrank-Gemüsefach-Temperaturen zu zaubern, ich aber beim Aussteigen einen Schlag bekomme …?
Nein, keine Klimaanlage – und eigentlich möchte ich damit auch nur andeuten, dass ich ziemlich köchelnd in Niendorf eintraf.
Ich bin auf dem Weg zum Neuen Friedhof Niendorf. Einen Menschen besuchen, der heute Geburtstag gehabt hätte. Ein bisschen Zwiesprache halten, ihn auf den neuesten Stand der Dinge bringen, Fragen stellen, schauen, ob alles in Ordnung ist, horchen, was so los ist …
Da ich nicht wusste, ob irgendwo ein Blumenladen am Pfingstmontag geöffnet hat, habe ich meinen Garten geplündert und laufe mit buntem Blumenstrauß bei gleißendem Licht Richtung schmiedeeisernem Eingangstor. Das Auto musste ich etwas entfernt parken. Ich schiebe die Unterlippe vor und puste Luft nach oben unter die Ponyhaare. Mir ist warm.
Das große Tor ist erreicht. Ein Schild, an den senkrechten Gitterstäben befestigt, enthält in großen Lettern die Warnung:
VORSICHT GLATTEIS!
Ich vergesse weiter zu pusten. Glatteis! Glatteis? Heute? Hier?
Nein. Natürlich, mir ist schon klar, dass es ein Ganzjahresschild ist, das im Sommer eben nicht entfernt wird. Doch diese Einsicht hat nicht verhindern können, dass vorher erste, automatische Reaktionen auftraten, das Gedanken sich eigenständig formten …
Ich bekam etwas Gänsehaut an den Unterarmen.
Ich dachte Millisekunden über meine Schuhe nach, die nicht glatteistauglich sind.
Danach passierte Folgendes: Szenen und vor allem völlig neue Warnschilder tauchten vor dem inneren Auge auf!
Sahara. Die Sonne brennt. Das Licht flimmert. Ein Schild: Vorsicht Überschwemmung!
Herbst an der Elbe. Heftigster Regenguss, nahende Sturmflut. Ein Warnschild: Vorsicht Sonnenbrand!
Und zu guter Letzt grübelte ich darüber nach, ob das Schild schon die ganzen fünf Jahre, die ich hier immer wieder herkomme, dort hängt. Ich kann es nicht sagen …
Ich traute mich trotz der Warnung auf das Friedhofsgelände und erreichte bald mein Ziel. Während ich die Blumen versorgte, plauderte ich mit ihm:
„Wusstest du, dass es gefährlich war, hierher zu kommen?“
(Er antwortete natürlich nicht, doch ich berichtete ihm trotzdem von dem Schild.)
„Ich musste tierisch mit dem Glatteis hier bei dir aufpassen!“, bemerkte ich, mir Luft zufächelnd.
Ich habe ihn lachen gehört.
Ich träume von Klatschmohnwiesen …
Veröffentlicht von ladyfromhamburg in Artikel, Foto am 17/05/2012
Er hatte immer Ende Mai Geburtstag, und ich kann mich tatsächlich nicht entsinnen, dass meine Kollegen und ich an diesem Tag jemals gefroren hätten!
Mein früherer Chef pflegte uns an seinem Ehrentag nachmittags etwas auszugeben, und jedes Mal war er wirklich lange am überlegen, ob er Kuchen oder Eis wählen sollte.
Er selbst war eindeutig und auch ganz offen ein Kuchenbevorzuger, der bei warmen, ofenfrischen Butterkuchen in Verzückung geriet und genüsslich Sahnetorte verzehrte. Nur angesichts der meist herrschenden Hitze, eishungriger Mitarbeiter und einer exzellenten Eisdiele in der Nähe, lief es doch mehrheitlich auf Gefrorenes hinaus.
Es ist leider zu früh verstorben, aber was würde er nur von dieser Veränderung halten, davon, dass man heutzutage an seinem Geburtstag eine völlig andere Wahl treffen muss.
Hühnersuppe oder Grog?
Winterjacke oder Daunenweste?
Schirm oder Regencape?
Ach, Leute, wer war das wieder? Wer hat den Teller nicht leergegessen? Wer war so miesepampig, dass die Sonne aus Protest nicht durchdringt? Wer hat sich wieder mit Petrus angelegt oder Wetten abgeschlossen, dass es kalt bleibt?
Die Eisheiligen sind schon vorbei. Der Winterschlaf der Tiere auch. Die Sommerreifen sind drauf. Die Gartenstühle stehen parat. Die Sommerkleidung liegt vorne an. Ich habe Sonnenschutzcreme im Schrank.
Die wird noch vergammeln!
Ich mag keine sich ewig hinziehenden Kälteperioden. Keine wiederkehrenden Sturzbäche von oben. Ich bin gegen Frühlingsgänsehaut. Ich kann im Mai keine Schals mehr sehen. Ich möchte Stiefeletten erst wieder im Herbst tragen. Selbst Kerzen können nicht ewig fehlendes, echtes Licht ausgleichen!
Stattdessen habe ich Lust auf das Aufblitzen der Sonne zwischen den Zweigen einer blühenden Hecke und Verlangen nach lauer Luft. Verspüre Sehnsucht nach dünnen, leichten Stoffen, die einen umhüllen. Ich möchte mit nackten Füßen über Gras laufen und die Sonne auf meiner Haut fühlen!
Regen ist gelegentlich schön, doch nicht ununterbrochen und dazu in Verbindung mit Kälte!
Manchmal schafft es ein Sonnenstrahl zwischen zwei Schauern, sich einen Weg durch die Wolkendecke zu bahnen. Von ihm lasse ich mich treffen. Am Terrassenfenster. Ich stehe drinnen wohlgemerkt! Dort ist es entschieden wärmer …
Diese Wärme dringt durch den Stoff, sie windet sich um dich herum, sie kitzelt freundlich. Das Schließen der Augen bewirkt das Wecken der (Wunsch-)Träume. Dann riecht es auf einmal nach Maiglöckchen und Waldmeister. Oder von weit her nach Damaszener Rose. Manchmal erscheinen strahlend weiße und tief purpur-blaue, manchmal bunte Blüten.
Und manchmal träume ich … von Klatschmohnwiesen.
Mai. Los! Komm jetzt! Bitte! Der Mohn hat schon Verspätung!!
Hängengeblieben – beim Hafengeburtstag! (World’s greatest port festival in Hamburg)
Veröffentlicht von ladyfromhamburg in Artikel, Foto, Unterwegs (auf Entdeckung) am 13/05/2012
Kennen Sie das?
Sie gehen am Abend ins Bett und kaum liegen Sie, schon fängt Ihr Nachtlager an zu schwanken!
Bevor Sie jetzt vorangegangenen, hemmungslosen Alkoholgenuss, vorbeirumpelnde Güterzüge oder leichte Erdbeben vermuten – die Ursache war eine andere.
Ich habe am Nachmittag des bewussten Tages einige Stunden auf den Anlegepontons im Hamburger Hafen verbracht, die sich ständig heben und senken. Natürlich umso mehr, je ausgeprägter der Schiffsverkehr auf der Elbe ist.
War nun am Freitag Verkehr?
Doch, ja! Am vergangenen Wochenende wurde in Hamburg der 823. Hafengeburtstag gefeiert, und es liegt nun einmal in der Natur der Sache, dass zu einem solchen Anlass das eine oder andere Boot den Fluss entlangkommt (so klingt Understatement bei einer Hanseatin).
Der 823. Hafengeburtstag. Enorm, oder?
Am 07. Mai 1189 stellte Kaiser Friedrich Barbarossa den Hamburgern einen Freibrief aus, und fortan wurde ihnen für ihre Schiffe auf der Elbe zwischen Hamburg und der Nordsee Zollfreiheit gewährt. Die Ausmaße des Hafens in seinen Anfängen waren selbstverständlich viel geringer, als dies heute der Fall ist.
Aber Hafen ist Hafen! Basta. (Sie erkennen hier die dann und wann auftretende leichte Sturheit einer Hanseatin)
Denken Sie auch manchmal, dann müssten nach Adam Riese jetzt schon 823 wilde Partys gestiegen sein? Prüfen wir es nach: Zumindest Friedrich Barbarossa konnte nicht mehr viel mitfeiern, der ertrank bereits ein Jahr später am 10. Juni 1190 am Fluss Saleop im südlichen Anatolien. Doch vielleicht sagte einer seiner Mitstreiter im Jahre 1199:
Leute, es ist jetzt schon zehn Jahre her mit unserem Hafendingens. Heute gibt es Torte!
Das könnten die Anfänge gewesen sein. 50 Jahre später reichte ihnen Feingebackenes unter Umständen nicht mehr. Da hieß die Anweisung vielleicht schon:
Boote putzen! Proviant herbei! Kapelle! Gäste einladen!
Im Laufe der Jahrhunderte stank dem einen oder anderen möglicherweise der ganze Aufwand. Jedenfalls konnte man sich nicht zu etwas Offiziellem durchringen oder sich auf etwas regelmäßig Wiederkehrendes einigen. Das Thema Geburtstagsfest geriet in Vergessenheit. Man feierte höchstens einzelne kleine, nicht öffentliche Veranstaltungen am inzwischen existenten Überseetag (seit 63 Jahren am 07.05) und verband es mit der Ehrung von verdienten, langjährigen Mitarbeitern des Hafens.
Vor 35 Jahren befand der damalige Wirtschaftssenator Prof. Dr. Wilhelm Nölling, dass eine Hafengeburtstagsfeier eine super Sache wäre, und so führte man diese 1977 ein. Ganz klein, nur mit ein paar Schaustellern. Erst nach und nach (Carlheinz Hollmann war für die Programmhöhepunkte wie das Schlepperballett zuständig) wurde daraus das heute bekannte, riesige Hafenfest. Man spricht davon, dass es das weltweit Größte seiner Art sei. Im Jahr 1989, als der 800. Jahrestag anstand, wurde sogar das ganze Jahr über mit weiteren Veranstaltungen gefeiert!
Wir haben also gelernt, es gab nicht seit 1189 kontinuierlich Hafenfeste. Und wir lernen jetzt: Aus diesem Grund ist es nötig, dass wir heute immer jeweils drei Tage feiern – um nachzuholen …
Ich war vor einigen Jahren zum letzten Mal bei diesem Fest und fand es durchaus schön, aber gleichzeitig auch unheimlich wühlig und definitiv zu voll.
Hin oder nicht? In jedem Folgejahr flammte die Frage auf, und oft entschied einfach das Wetter. War ich nicht dort, gab es immerhin viele Berichte und Bilder in Zeitung und Fernsehen.
In diesem Jahr bekam ich eine Information, dass am ersten Tag der Feierlichkeiten ein neues Wahrzeichen meiner Tageszeitung eingeweiht werden sollte. Das Hamburger Abendblatt ließ aus Aluminium ein (letztendlich) ca. 18 m langes Boot bauen, das aussieht wie ein gefaltetes Papierschiffchen. Er trägt Werbung im Design der Zeitung mit den typischen Farben (grün) und der bekannten Schriftart. Es ist auf einem dunkelgrünen Ponton befestigt, auf dem es befördert werden kann, denn es ist selbst nicht schwimm- bzw. fahrtauglich.
So eine kleine Aktion wie Schiffsvorstellung gepaart mit Shanty-Chor und Elbgeruch entsprach meiner Vorstellung. Zusätzlicher Pluspunkt: Am ersten Tag, dem Freitag, ist am frühen Nachmittag meist noch nicht ganz so viel los. Meine Idee war ein Kurztrip in den Hafen, um die Enthüllung mitzuerleben und mich ein bisschen umzusehen (Baustand der Elbphilharmonie, Trubel ringsherum). Das Abendblatt Schiffchen sollte vom Ponton an der Überseebrücke noch vor dem Eintreffen der ersten Schiffe der Einlaufparade hinaus auf die Elbe gezogen und in die Hafencity gebracht werden. Ich wollte danach noch ein oder zwei der an der Parade teilnehmenden Schiffe abwarten und bei zunehmender Fülle und Platzmangel wieder verschwinden.
Ein Blick umher …
Was aus diesem Plan wurde? Im Endeffekt war ich fast fünf Stunden im Hafen unterwegs – und eben einen Großteil der Zeit unten auf den schwankenden Anlegepontons! Ich werde nicht gleich seekrank und mag die unmittelbare Nähe zum Wasser – vor allem die herrlichen Geräusche, die dort entstehen! Bei Wellengang heben und senken sich die einzelnen, durch Stahlblechplatten (zum Überqueren) miteinander verbundenen, Pontons unterschiedlich. Die Stahlplatten liegen locker auf, damit sie Platz zum Arbeiten haben und bei unterschiedlichem Niveau der Pontons und den sich daraus ergebenden Verschiebungen nicht aus ihrer Verankerung reißen. Bei diesem Auf und Ab und Hin und Her knartzen und quietschen sie, was das Zeug hält oder krachen gelegentlich, wenn der Seegang besonders heftig ist. Dieser Lärm kommt sehr unterschiedlich bei den Besuchern an. Manche beachten es überhaupt nicht, ein älterer Herr murrt beim Quietschen hingegen: „Das holt ja den letzten Zahnschmelz runter …!“
Der Wind pfeift um die Ohren und jeder, der fest am Kopf sitzende Haare hat, kann sich glücklich schätzen. Die Frisur selbst hat keine Chance, nur da alle dort so zerfleddert aussehen, ist es völlig egal. Hüte und Mützen müssen stramm sitzen. Es gibt keine Statistik darüber, wie viele Kopfbedeckungen im Laufe der Zeit in der Elbe gelandet sind – doch gefühlsmäßig müsste es das Flussbett langsam auskleiden.
Es kann auch feucht zugehen – gelegentlich werden die Pontons von den Wellen überspült. Es heißt also aufpassen …
Als die deutsche Fregatte Mecklenburg-Vorpommern (F218), eines der ersten Schiffe am Freitag, sich nähert, wird sie von einem Feuerlöschboot begleitet, das die ganz Zeit zu beiden Seiten große Fontänen sprüht. Beim Herannahen spürt man die erste Gischt in der Luft. Noch ist es nur ein feiner, feuchter Nebel …
Die Insider verstecken sich hinter den flachen Gebäuden auf den Pontons. Doch die Besatzung des Feuerlöschbootes hat ein Einsehen und stellt ihre Fontänen ab, während das Boot den Ponton passiert.

Hafengeburtstag 2012 in Hamburg – Das Einlaufen der deutschen Fregatte Mecklenburg-Vorpommern (F 218)
Weitere Schiffe der Parade …

Stimmung auf der Aurora, die den einlaufenden Schiffen entgegenfährt: Blaskapelle an an Bord – winkende Passagiere an Deck
Irgendwie verging die Zeit wie im Flug. Die Schiffe kamen und mit ihnen die Menschenmassen. Die Pontons füllten sich stetig, beim Blick Richtung Land sah man ebensolche Massen auf den Landungsbrücken und der Promenade stehen. Aus den Stationen der U- und S-Bahn quollen bunte Punkte, die zielstrebig zum Wasser eilten.
Irgendwann wurden wir alle von den zum Zoll gehörenden Polizisten vom Ponton verscheucht.
Meine Damen und Herren! Bitte verlassen Sie sofort diesen Ponton! Hier wird in Kürze ein Schiff anlegen. Zu Ihrer eigenen Sicherheit … u.s.w.
Es stellte sich heraus, dass die F218 diese Stelle als Anlegeplatz zugewiesen bekommen hatte. Der Bereich an der Überseebrücke ist generell der Platz der Marineboote während dieses Hafengeburtstages.
Auf diese Weise vertrieben, schob ich mich langsam weiter. Mein Weg führte mich jetzt oben auf der Promenade entlang und von der Kehrwiederspitze und Vorsetzen weg in Richtung Alter Elbtunnel. Die Sicht über den Fluss ist von dort aus auch gut, nur stehen mehr Menschen direkt an den Geländern vor einem. Während des Fotografierens habe ich hier häufig plötzlich einen herumfuchtelnden Arm im Bild.
Überall sind Buden mit Essen, Trinken (“Fressmeile”) oder auch Stände, die Bernstein, Taschen, Souvenirs und Postkarten anbieten. Manche Menschen sehe ich häufiger, was mich überrascht angesichts der Menge von Leuten. Ein Ehepaar, das die gleichen Jacken trägt (um sich besser wiederzufinden?), eine aufgekratzte Gruppe von sechs Frauen, die hauptsächlich durch den verursachten Lärmpegel auffällt, zwei Herren, die jeder mit jeweils zwei Kameras behängt sind, eine Familie, die ständig „Roman, komm zurück!“ ruft, und ein Bayer, der immer, wenn ich ihm wieder begegne, ein Bier in der Hand hat und von „Gaudi“ redet.
Charlie Chaplin steht auf einer silbernen Kiste und wird von vielen als Statue wahrgenommen. Auch Hunde ignorieren ihn anfangs komplett. Sie bellen irgendwann, als der durchaus lebendige Darsteller ein wenig die Position ändert …
Die Cap San Diego, normalerweise ein Museumsschiff mit festem Liegeplatz, war seit dem Vormittag zu einer Ausfahrt unterwegs und kommt bei der Einlaufparade wieder mit zurück in ihren Heimathafen. Jedes Schiff wird begrüßt, die entsprechenden Hymnen des Herkunftslandes abgespielt. Manchmal erhalten die Zuschauer noch ein bisschen mehr Information zu dem gerade vorbeikommenden Teilnehmer der Parade.

Während die MARE FRISIUM schon einmal auf der Elbe gedreht hat, fährt die ALEXANDER VON HUMBOLDT II jetzt ein

Getümmel bei der Rickmer Rickmers, dahinter einlaufende Segelboote, Wetter durchwachsen (die ersten Schirme, von T-Shirt bis Mantel alles dabei)

Die Landungsbrücken in Höhe des Alten Elbtunnels (Sie führen zu den Pontons, an denen viele Segelschiffe festmachten)
Die großen Segelschiffe „Dar Mlodziezy“, „Kruzenshtern“, „Mir“, „Alexander von Humboldt II“ u. a. legen sogar an den Landungsbrücken an, und es besteht die Möglichkeit, sie zu besichtigen.
Ein Hilfsschiff der französischen Marine (A669) hat ebenfalls hier festgemacht.
Die Elbe ist mittlerweile voll von Booten aller Typen, die in beiden Richtungen unterwegs sind. Die ersten haben schon gedreht und kommen bei der Rücktour erneut vorbei, die letzten tauchen das erste Mal vor ihrem Publikum auf. Feuerwehr, Marine, Fischereischutzboot „Seefalke“, das Technische Hilfswerk, die Wasserschutzpolizei, die Bundespolizei („Bad Bramstedt“), das Zollschiff „Borkum“, alte Hafenfähren („Tonne“), Schlepper, Motor- und Segelyachten sowie die Traditions- und Museumsschiffe sind präsent.

Segelboote auf der Elbe – im Vordergrund Boote des Zolls und der Polizei, im Hintergrund die Werft Blohm + Voss

“Tonne” (alte Hafenfähre – aufgrund der Form auch “Rundstück” genannt) und Constant (vor Blohm + Voss)
Die Cap San Diego muss auf der Elbe gedreht werden. Dafür ist eine Sperrung notwendig. Mit Schlepperhilfe wird sie mit der Nase zuerst ein Stückchen in Richtung eines kleinen Nebenarms der Elbe drüben bei Blohm + Voss gezogen. Zusätzlicher Platz zum Rangieren. Die 180° Drehung ist schnell vollzogen. Gegen 18 Uhr ist die Cap San Diego wieder an ihrem Liegeplatz.

Mittlerweile “quillt” es unaufhörlich aus den Ausgängen der U- und S-Bahn Station Landungsbrücken. Immer mehr Menschen strömen Richtung Hafen …
In der Luft ertönt ein ungewohntes Motorengeräusch. An den Tagen des Hafengeburtstags gibt es wieder Rundflüge mit der alten Tante Ju (Junkers Ju 52). Später dringt ein anderes Geräusch an die Ohren: Hubschrauber. Die Rettungshubschrauber der Polizei und des ADAC zeigen ihr Können.
Mittlerweile bin ich beim Alten Elbtunnel angelangt. Dort ist zur Landseite hin eine Bühne aufgebaut. Hamburg Journal und NDR 90.3 präsentieren Musik. Als ich vorbeikomme, sagt gerade Karl Dall die nächste Gruppe an. Der Platz vor der Bühne ist voll und viele singen mit … Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein …
Rettungsfahrzeuge für Notfälle sind auf den gesperrten Straßen St. Pauli Hafenstraße und Johannisbollwerk abgestellt. Es gibt so viele Absperrgitter, dass ich anfangs Mühe habe, wieder zur Bahn zu kommen. Doch um kurz vor 19.00 Uhr beende ich – noch erstaunlich frisch – meine Hafenzeit und staune wieder einmal, wie manchmal alles so anders kommt als gedacht. Zögerlich ein Stündchen ohne Gewühl eingeplant, mit Spaß fünf Stunden inmitten der Massen verbracht … So kann es gehen.
Nur jetzt habe ich halt diese Nachbeschwerden … Das schwankende Bett. Und das Gefühl, dass immer noch der Wind pfeift und an meinen Haaren zerrt …. Doch bald ist auch das vorbei. Mir fehlt momentan noch die Power, schon wieder ins Gewühl zu gehen, derartiges Getümmel laugt mich im Nachhinein immer etwas aus. Doch im nächsten Jahr muss ich unbedingt am Sonnabend dabei sein und das Schlepperballett sehen! Oder später das Feuerwerk. Ich fange wieder klein an und sage mir:
Komm, halbe Stunde. Dann gehst du wieder …
Ich meine, was ist das schon für ein Risiko? Es wird sich doch notfalls irgendjemand finden, der mich gegen Mitternacht nach Hause zerrt, oder? Und falls Sie einmal um den 07. Mai herum in Hamburg weilen – planen Sie doch auch den Hafen mit ein. Ein paar Minütchen nur … ;)
PS
Meine Fotos entstanden bei der am Freitag vorherrschenden starken Bewölkung. Wer von den anderen Tagen Fotos sucht und ganz generell richtig gute Profibilder schätzt, dem empfehle ich wärmstens Malte Klauck (@MalteKlauck bei Twitter, ebenfalls bei Facebook unter seinem Namen und neuerdings mit einer eigenen Seite, die sich “Hamburg fotografiert” nennt. -> https://www.facebook.com/HamburgFotografiert ) Tolle Fotos vom Hafengeburtstag!
Teichhuhn am Abgrund, sinkende Schiffe, Ganterpel? – Ein Nachmittag im Eichtalpark
Veröffentlicht von ladyfromhamburg in Artikel, Foto, Unterwegs (auf Entdeckung) am 07/05/2012
Eigentlich wollte ich darüber gar nicht bloggen. Wen interessiert denn schon mein Fahrrad-Trip durch Wandsbek. Meine Güte! Andere waren vielleicht in der Zeit beim Bungee-Jumping in Neuseeland! Sollen die doch berichten …
Dachte ich mir so. Ich postete stattdessen nur ein einzelnes Ausflugsfoto an meiner Facebook Pinnwand, das meine neueste Bekanntschaft vorstellte. Eine überaus zutrauliche Gans, die mir aus der Hand fraß. Oder war es ein Ganter? Das Bild, die Frage … oh, das hatte Folgen! Und letztendlich hat es jetzt die Auswirkung, dass ich über diesen Nachmittag mehr erzähle und zusätzliche Fotos in den Beitrag mit aufnehme. Vielleicht kommen wir auf diese Art zu einem Ergebnis. In den Kommentaren hat die Weisheit der Vielen bisher noch kein eindeutiges Resultat erbracht, dafür löste das sympathische Federvieh Assoziationen aus. Die eigenen Gedanken wurden offenbart, generelle Information zusammengesucht. Doch wir beginnen besser von vorne:
Ich liebe es sehr, in einer Stadt zu leben, die viel Grün und Wasser zu bieten hat. Egal, wo man sich in Hamburg befindet, es ist nie weit zum nächsten Grünzug, einem Park, einem Bach, Fleet oder Fluss.
Neulich bereits hatte ich (auch hier im Blog) einen Abstecher zum Mühlenteich in Wandsbek gemacht. Der Anlass war ein frühmorgendlicher Autowerkstatttermin in der Nähe gewesen, und der anschließende Spaziergang mündete in einem kleinen Frühstück für die anwesenden, noch etwas schlaftrunkenen Wasservögel.
Der vergangene Sonnabend entpuppte sich nach wolkenverhangenem Vormittag am Nachmittag als zwar etwas kühl, aber so sonnig, dass es verlockend gewesen war, sich per Fahrrad in Richtung Wandse, Eichtalpark und Botanischen Sondergarten zu begeben. Ich hatte zwischenzeitlich weitere Brotreste aufbewahrt, und da es entlang der geplanten Route Wasservögel gibt, steckte ich die neue kleine Portion ein. Für den Fall der Fälle …
Vom Wandsbek-Markt in östlicher Richtung stadtauswärts, führt der Rad- und Wanderweg hier vorbei:
Ich bewundere, wie Rallen (Teichhühner), diese doch recht leichten Wasservögel mit zarten Beinchen, es schaffen, sich dort in der Strömung genau an der Kante zu halten … In aller Seelenruhe marschierte sie mehrfach von links nach rechts …
Weiter führte mich der Weg entlang von Wiesen voll blühendem Löwenzahn. Auf einer Bank am Wegesrand saß eine Frau und flocht einen sonnengelben Kranz daraus, während ein kleines Mädchen mitten in der Wiese kauerte und für Blütennachschub sorgte.
Im Eichtalpark hielt gerade eine Gruppe Wildgänse Siesta auf der Wiese und schien die Sonne und Wärme dem Wasser – zumindest in diesem Moment – vorzuziehen.
Sie sahen träge, faul und müde aus, so dass ich beschloss, erst auf dem Rückweg zu halten, und derweil am See nachzuschauen, ob dort Enten Lust auf eine kleine Fütterung hätten.
Ich passierte ein kleines, abgezäuntes Terrain, das es dort schon seit Jahren gibt. Eingerahmt von einer kleinen Holzquerlatte befindet sich ein Beet, auf dem Mammutblatt (Gunnera manicata) wächst. Der Name deutet es schon an: es hat im Sommer riesige Blätter mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern – auf Stielen, die ebenso hoch werden können! Die Staude ist winterhart, zieht sich aber völlig zurück. Deshalb der Schutz, damit sie nicht unwissentlich völlig niedergetrampelt wird. Ein zweiter Grund ist, dass sie zusätzlichen Winterschutz erhält (Abdeckung mit Laub und Ästen). Momentan ist sie gerade am Austreiben, was auch schon höchst interessant aussieht!
Der Weg führt an einem kleinen See vorbei, der in einen größeren übergeht. Dieser Teil des Sees lag in der Nachmittagssonne, und aus ihm ragten die wie auf kleinen Inseln wachsenden Lärchen. Ihr Holz enthält viel Harz und ist sehr dauerhaft. Auch bei extremer Nässe. Es ist Ihnen sicher auch schon aufgefallen, dass es aus diesem Grund gern für die Herstellung von Gartenmöbeln verwendet wird. Es muss nämlich nicht imprägniert werden. Lärchen sind die Nadelbäume, die jeden Nadeljahrgang abwerfen und deshalb gegen die meisten Schadstoffe relativ tolerant sind. Die Baumart hat das höchste Potential zur Verbesserung der Luftqualität in Städten, sagt gerade eine neue englische Studie. Und zum Baum des Jahres 2012 wurde sie auch gekürt.
Sie schlagen momentan gerade aus, die Lärchen …
Ich radelte weiter und sah erstaunt eine ältere Dame mit Rollator, die diesen nicht mühsam und langsam vor sich her schob, sondern mit dem Hilfsmittel regelrecht spurtete. Wir hielten an der gleichen Stelle, denn Stimmen hatten plötzlich geschrien:
„Sie gehen unter! Unsere Boote sinken!“
„Nein, aber sie schwimmen weg!“
Daraufhin hatte es im Gebüsch wild geknackt.
In der Nähe ist der große Spielplatz, und seine Ausläufer grenzen an die durch den Park fließende Wandse. Kinder hatten Papierschiffe gefaltet und diese zu Wasser gelassen. Keine Anker dabei. Das eine hatte bedenklich Schlagseite, die anderen machten sich langsam aus dem Staub. Daher die ganze Aufregung …
Mit der Dame kam ich ins Gespräch. Wir überlegten, wie viele Generationen Kinder wohl schon Papierschiffe gefaltet haben. Generell. Dass sie es gerade draußen auf dem Spielplatz machen, ist relativ selten. Danach schob die rüstig wirkende Rollator-Dame ihr Gefährt wieder weiter. Er wirkte bei ihr merkwürdig deplatziert, irgendwie überflüssig. Sie hielt bereits nach wenigen Metern wieder an, blockierte die Räder und setzte sich auf die kleine Sitzbank ihres Gehwagens.
Ich hatte mein Fahrrad noch geschoben und war nun neben ihr.
„Das ist sehr praktisch“, bemerkte ich unverbindlich.
„Ja“, bestätigte sie, „das ist auch der Hauptgrund, warum ich ihn habe. Ich habe Gleichgewichtsstörungen und kann vor allem nicht lange stehen. Also auf der Stelle. Ich muss zwischendurch sitzen.“
„Mir ist vorhin aufgefallen, wie flott sie mit ihrem Rollator unterwegs sind.“
„Weil ich ihn habe, komme ich schneller voran! Ich kann mich abstützen und muss keine Angst haben zu fallen.“
Das klang logisch. Ich dachte an meine Mutter, die durchaus ähnliche gesundheitliche Probleme hat, sich allerdings mit Händen und Füßen weigert, auch nur einen Gedanken an so etwas wie einen Rollator zu vergeuden. Das ist etwas für Ältere! Doch wann fängt älter an? Und unter welchen Umständen sollte es einem egal sein?
Der Besuch im Botanischen Sondergarten währte nicht ganz so lange wie im Sommer. Ganz so viel ist dort um diese Jahreszeit noch nicht am Blühen. Doch es gibt schöne Stellen …
Ganz in der Nähe geht es sehr urwüchsig zu. Der Teich/Tümpel wirkt wie unberührt. Ein Erpel und eine Ralle zogen gemeinsam ihre Kreise

Idyll in der Stadt nahe des Botanischen Sondergartens – Nicht weit davon rauschen die Autos auf der vielbefahrenen B75
Brücken zum Queren der Wasserläufe bieten schöne Ausblicke
Die Sonne verschwand hin und wieder hinter Wolken. Zog es sich weiter zu? Musste ich doch noch mit Regen rechnen? Ich entschloss mich irgendwann zum Umkehr. Nach einer Weile hatte ich wieder den Eichtalpark erreicht.
Inzwischen hatte sich das Bild auf der Wiese gewandelt. Die Gänse waren verschwunden, stattdessen hatten sich Menschen dort niedergelassen. Und nicht nur das. Die Gruppe Hungriger hatte den Grill angeworfen! Rauchschwaden zogen über die Freifläche.
Offenbar war der Grill den Gänsen nicht geheuer gewesen. Sie könnten ihn als Alarmsignal empfunden haben. Vielleicht sind sie nach interner Beratung übereingekommen, lieber baden zu gehen. Ich stelle mir gern Gespräche unter ihnen vor, die etwa so ablaufen:
„Du, komm! Wir verduften!“
„Ja, los! Menschen sind unberechenbar. Denen fällt plötzlich ein, dass sie Appetit auf frisches Geflügel haben …“)

Nachmittagssonne am Teich. Die Gänse verzogen sich von der Wiese … (PS Bitte durchaus einmal draufklicken. Mir geht immer das Herz auf, wenn ich diese Szene sehe)
Am kleinen Teil des Sees traf ich sie alle an, stellte mein Fahrrad neben einer Bank ab und näherte mich mit dem Brot. Nicht nur die Gänse badeten. Auch einige Stockenten und Teichhühner mischten mit. Die ersten Brotbrösel flogen, und schon stellte sich heraus, wer an diesem Tag die ganz großen Pöbler und Rabauken unter den Wasservögeln waren: die Teichhühner!
Obwohl sie von der Größe her ganz hinten rangieren, kannten sie kein Vertun. Sobald Essen im Anmarsch war, begannen sie zu drängeln, griffen mit eindeutigen Drohgebärden an und motzten lautstark, wenn eine vorwitzige Ente es wagte, sich dem Brotstück auch nur zu nähern. Ein Teichhuhn pflügte dermaßen erbost durchs Wasser, dass es eine Ente damit komplett aus dem See scheuchte! Der dazugehörige Erpel verdünnisierte sich, die Gänse reckten die Hälse, standen jedoch über allem oder arrangierten sich zumindest mit den aufmüpfigen Rallen. Eine einzelne Gans schwamm ans Ufer, kletterte in einigen Metern Entfernung von mir an Land, um mir dann kontinuierlicher näher zu kommen. Anfangs wie zufällig. Völlig unbeteiligt. Es fehlte nur noch so ein fröhliches Pfeifen …

Sie nähert sich (auf Umwegen, denn sie ging in Höhe meines Fahrrads an Land). Leicht schüchtern mit etwas weggedrehtem Kopf …
Sie schien schüchtern, legte ihren Kopf schief, hielt zwischendurch, wartete ab, watschelte weiter. Ich blieb in der Hocke. Sobald ich mich zu ihr wendete und ihr Beachtung schenkte, schaute sie zur Seite. Also fütterte ich völlig ausdruckslos die Kumpel im Wasser.
Sie schlich sich dichter heran, bis sie schließlich direkt neben mir hielt. Ich drehte mich langsam zu ihr.
„Na!“, begrüßte ich sie.
Sie guckte angelegentlich ihre Füße an.
„Wie sieht’s aus? Möchtest du ein Stück?“
Ich hielt ihr langsam ein Brotstück entgegen.
GRABSCH!
Der Schnabel schnellte nach vor und riss mir das Brot förmlich aus der Hand! Sie säbelte engagiert an ihrer Beute herum. Der leicht geöffnete Schnabel offenbarte eine richtige Zahnleiste. Kleine Spitzen, dicht an dicht – wie die Zähne eines Sägeblattes.
Mein Proviant war am Ende. Auf dem Spazierweg näherte sich eine Familie mit einem großen Hund. Die Gans hatte ihn auch bemerkt, doch offenbar auch registriert, dass er angeleint war. Sie wich keinen Zentimeter von mir. Der Hund starrte sie beim Herannahen unaufhörlich an. Als er direkt an uns vorbeilief, konnte er es einfach nicht lassen und musste wenigstens ein bisschen bellen. Der Gans wurde mulmig. Sie entschwand Richtung See und stürzte sich in die Fluten.
Ich nutzte die Gelegenheit zum Aufbruch, und fragte mich, ob ich es jetzt mit einer Sie oder einem Er zu tun gehabt hatte. Bei Gantern soll der Beinabstand größer sein. Das Geschnatter hätte eine tieferen Tonlage. Der Ganter sei schwerer. Gut und schön. Doch was macht man, wenn kein Vergleichstier daneben sitzt? Oder wenn zwar ein zweites Gänsevieh da ist, aber genauso aussieht? Sind das dann zwei Frauen oder zwei Männer?
„Hey, wie viel wiegst du denn?“, könnte man fragen. Oder freundlich bitten: „Du, sag mal was. Ich muss wissen, wie tief du dich anhörst.“
Meine Gans sagte nichts. Sie war schweigsam-verfressen.
Am Beginn des Blogposts erwähnte ich die Resonanz und die Kommentare, die das Bild bei Facebook auslöste. Doch waren sie hilfreich beim Feststellen des Geschlechts?
Zu Beginn ging es eher um die Diskussion und Klarstellung, ob es nicht vielleicht eher eine Ente als eine Gans sei. Vielleicht ein männlicher Mix? Ein Ganterpel? Größen, Halslängen, etc. wurden verglichen.
Dann bekam jemand Hunger beim Anblick des Tieres.
Einem weiterem diente der Vogel als Inspiration für einen baldigen Spaziergang, um selbst Wildgänse zu betrachten.
Im Anschluss gab es sachdienliche Hinweise zu Arten, Gattungen und Besonderheiten.
Aber konnte jemand wirklich eindeutig das Geschlecht bestimmen? So mit absoluter Sicherheit?
Nein, noch nicht!
Und das ist jetzt Ihre Chance!
Wenn Sie es wissen, oder wenn Sie jemanden kennen, der es wissen könnte oder der wissen könnte, wer jemanden kennt, der … (Sie wissen schon, was ich meine), dann lassen Sie sich nicht bremsen.
Tun Sie sich keinen Zwang an, sondern handeln, schreiben oder kommentieren Sie völlig ungeniert! ;)
Ich bin sehr gespannt, ob ich auf diese Art doch noch genau erfahre, mit wem ich im Park das Vergnügen hatte.
Schnecken-Fotoshooting: Die, die ein Dach über dem Kopf haben im Regen …
Veröffentlicht von ladyfromhamburg in Artikel, Foto, Garten am 04/05/2012
Gelegentlich habe ich im Garten den Fotoapparat in der Nähe. Falls mich wieder ein Vogeltier mit seiner Anwesenheit beehrt. Falls ein Schmetterling mich begeistert, oder das Eichhörnchen zu Besuch kommt. Falls ein Blüte umwerfend ist! Falls eine Farbe mich in Erstaunen versetzt. Falls …
Es gibt viele falls und viele Fälle. Heute wollte ich ursprünglich nebenher den Farn fotografieren. Für mich, für einen späteren Blogpost vielleicht. Denn irgendwie ist es faszinierend, wie Farne sich beim Neuaustrieb im Frühjahr „entkrumpeln.“ Soweit der Plan. Allerdings wurden die Fotos nicht so richtig scharf, und irgendwann setzte auch noch Regen ein.
Manche Menschen schmeißen dann alles hin und eilen ins Trockene. Das ist grundsätzlich wohl auch ratsam und vernünftig. Es ist nur so: wenn es draußen nass ist, sieht manches phantastisch aus! Gerade dann eben. Ich kann dann nicht immer gleich weg! Ich finde z. B. Regentropfen auf dem Frauenmantel bemerkenswert. Es ist keine Nässe, die sich gleichmäßig auf der Blattoberfläche verteilt. Es perlt, und egal wie schräg das Blatt wächst oder herunterhängt: die Perle bleibt.
Auf vielen anderen Gewächsen gibt es höchst unterschiedliche Effekte durch Nässe, und Regentropfen hören sich klasse an, wenn sie auf die großen Blätter der Bergenie klatschen.
Doch das ist heute gar nicht das Thema. Der Regen begann, und ich blieb wohl ein paar Minuten zu lang draußen. Schon sah ich sie: die Schneckenbrigade!
Für Sie/euch hat das zur Folge, dass es heute an dieser Stelle Schneckenpost gibt. Halt, das ist nicht richtig – die Post kommt zügig! Es erscheint vielmehr ein Schnecken-(Blog-)Post.
Natürlich bin ich immer um Ihr Wohlergehen besorgt (Sie sehen, ich kann auch schleimen ;), und so habe ich es Ihnen und mir kurz entschlossen erspart, die unappetitlichen Nacktschnecken abzulichten. Die Schnecken mit den ansehnlichen Häusern hingegen, die könnten wir uns heute ruhig ansehen. Nachdem, was im Garten herumkroch, wage ich die Prognose, dass dies ein fürchterliches Schneckenjahr werden könnte …Wenn nicht demnächst die Dürre ausbricht.
Es gibt augenscheinlich kaum eine Pflanze, die die Kollegen nicht schätzen – zumindest zum Erklimmen. Ob feuchtes, frisches Blattwerk von Zwiebelblumen, junge Staudentriebe, Zweigwerk und der zarte Neuaustrieb von Gehölzen o. a., es ist ihnen – gelinde gesagt – wurscht. Sie nehmen alles! Sie sind draufgängerisch, ausdauernd, mitleidslos, gierig und akrobatisch. Erzähl mir keiner, sie kämen nicht über Hürden hinweg! Vermutlich kennen Sie auch den Supertipp, der in weisen, einschlägigen Ratgebern steht:
Kaufen Sie Blumentöpfe mit einem wulstigen, überhängenden Rand. Die Schnecken werden diesen nicht überwinden können.
Entschuldigen Sie, wenn ich hell auflache. Oder die Schnecken. Es kann höchstens sein, dass diese am Weiterschlurfen gehindert werden, weil sie vorher vor Lachen über diese Aussage herunterfallen!
Es wird auch gern zu Bierfallen geraten. Von denen rate ich persönlich ab. Ihr Garten riecht wie eine Kneipe. Abgesehen davon gibt es eine Schweinerei ohnegleichen mit den Leichen und – bitte daran denken – das Bier riechen nicht nur die Schleimer auf Ihrem Grundstück, sondern auch noch die drei Gärten weiter. Sie ziehen das Volk der ganzen umliegenden Nachbarschaft an! Ich schwöre Ihnen: Bei denen spricht sich ihr Ausschank rasant herum!
Mein Schnecken-Tipp vom letzten Jahr – siehe hier: ->
http://michelelegrand.wordpress.com/2011/06/17/freitags-boo-es-hat-sich-ausgeschleimt-vorerst/
Genug geschimpft auf die glitschigen Gesellen. Jetzt gibt es Fotos zum Besänftigen. Sehen Sie nicht irgendwie schön aus? So schlimm können sie doch gar nicht sein …
Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 – Die Frühjahrs-Modenschauen
Veröffentlicht von ladyfromhamburg in Artikel, Foto am 29/04/2012
„Sag mal, wird das hier auch irgendwann noch mal Grün?“
Die Herrschaften vor mir, ein Ehepaar Mitte vierzig, steht an der roten Fußgängerampel. Offenbar schon länger und in der Hoffnung, dass sich ampelmäßig von alleine etwas tut. Der Ärger ist, dass zwar die Autos Rot bekommen und halten, aber trotzdem kein grünes Männchen erscheint, wenn – ja, wenn nicht jemand gedrückt hat.
Der Herr ist grummelig. „Ich will noch einen Sitzplatz!“
Er sieht, dass ich den Knopf an der Ampel drücke.
„Der geht wohl nicht. Ich habe auch gedrückt.“
Nach einer kleinen Pause folgt der Zusatz:
„Ach, das muss rot leuchten …?“
Seine Frau kommentiert die Szene mit der Bemerkung:
„Siehst du? Habe ich dir doch gesagt! Und auch, dass draufkloppen nichts bringt …“
Es ist Freitag, der 27. April 2012. Die Uhr zeigt 13.40 h, und ich bin auf dem Weg zu den drei ersten Modenschauen von insgesamt sechs, die heute im EKZ Quarrée Wandsbek stattfinden. Jeweils um 14.00, 16.00 und 18.00 Uhr treten sie an, die noch verbliebenen Kandidaten des Wettbewerbs QUARREE GESICHTER 2013. Für sie ein entscheidendes Wochenende im Verlauf dieses Contests. Einerseits wird für sie die Veranstaltung – wie auch für die Zuschauer – ein Highlight in diesem Frühjahr – andererseits ist es ein Wochenende der Entscheidung. Nicht alle werden danach weiter mit dabei sein. Nur diejenigen, die hier komplett überzeugen können, erreichen die nächste Stufe: den weiteren Verbleib im Wettbewerb und die Teilnahme am nächsten Workshop unter Anleitung von Alexander Strauß und seinem Team.
Die letzten beiden Wochen waren anstrengend. Mehr Termine für die Nachwuchsmodels, vor allem aber Tag- und Nachtarbeit für die Organisatoren. Besonders der Chef des Wettbewerbs, Alexander Strauß, könnte einen Klon gebrauchen. Der Arbeitsaufwand für derartige Shows ist enorm, das Koordinieren eine Kunst für sich. In einer Nacht- und Nebelaktion erfolgte am Mittwoch nach Ladenschluss bis in die frühen Morgenstunden der Aufbau des Laufstegs, der Bühne und der technischen Anlagen. Die Generalprobe für alle erfolgte am Donnerstag – wiederum nachdem die Läden ihre Türen geschlossen hatten. Anproben standen bis zur letzten Minute auf dem Terminplan.
Immerhin sind zu diesen Modenschauen 149 Teilnehmer einzukleiden, die in verschiedenen Laufgruppen auftreten und vielfältige Styles zeigen. Selbstverständlich tragen sie auch nicht nur ein einziges Outfit! Sie werden in unterschiedlichen Shows mit unterschiedlichem Programm eingesetzt. Dem Zuschauer wird viel geboten (nicht, dass jemand annimmt, hier wird sechsmal ein und dieselbe Show abgespult!).
Als die Ampel endlich auch für die Fußgänger Grün zeigt, überquere ich die Wandsbeker Marktstraße und nähere ich mich mit besagtem Ehepaar der großen, glasüberdeckten Veranstaltungshalle des Quarrées.
„Ne, guck dir das an! Da ist ja schon alles besetzt!“
Der Herr ist verblüfft. Die beiden wollen offenbar auch gezielt die Modenschau miterleben.
Die links und rechts vom Catwalk aufgebauten Stuhlreihen sind belegt. Menschen stehen dahinter, stehen oben auf der Galerie und bevölkern die Treppe, die beide Geschosse miteinander verbindet. Nicht lange, denn der Sicherheitsdienst hat Anweisung, die Wege frei zu halten. Immer wieder werden Besucher freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen.

Zwanzig Minuten vor Beginn der 14.00 Uhr Modenschau - die Sitzplätze sind belegt, die Galerie füllt sich
Ich komme am Eingang zum Center-Management vorbei und entdecke Nina, Anne und Priscilla vom Team, die Gruppen koordinieren und mit bereits fertig gestylten Models dort auf den Beginn der Show warten. Der kleine Gang, der ins Treppenhaus und hinauf zu den Büros des Managements bzw. den Räumen des Wachpersonals führt, quillt über von schönen Mädchen. Ein Durchkommen gibt es hier für mich nicht im Moment. Im Gegenteil, ich würde nur den Weg blockieren. Ich nehme mir vor, mich dort nach der ersten Show ein wenig umzusehen. Vorerst heißt es: hinunter, um sich einen fotografiergünstigen Platz zu sichern.
Meine Wahl fällt auf eine Stelle an der Stirnseite des Laufstegs. Während noch ein paar Minuten Zeit bis zum Beginn der ersten Veranstaltung bleiben, frage ich drei plaudernde Damen in der ersten Reihe ein wenig nach dem genauen Anlass ihres Kommens aus. Ob sie jemanden der Teilnehmer kennen, ob sie zufällig da sind oder extra für die Modenschauen, jedoch ohne jemanden zu kennen … usw.
Es stellt sich heraus, dass die Dreiergruppe eigentlich überhaupt keine Gruppe ist. Man hat sich nämlich eben erst kennengelernt. Eine Dame kennt ein Model, weil es im gleichen Haus wohnt. Die zweite Dame hatte mit ihrer Eiswaffel nur einen Moment sitzen wollen und netterweise der dritten, fremden Dame einen Platz neben sich freigehalten, weil diese zwar gezielt für die Show gekommen war, aber bis zum letzten Moment noch Erledigungen machen wollte.
Wir haben somit die praktische Mischung aus Kenntnis (Model und ein paar Details sind bekannt), Interesse (ich muss die Show sehen) und Zufall (ach, wenn ich hier schon mal sitze …). Kein Wunder, dass sich Gesprächsstoff ergab. Alle sind nun jedenfalls bestens eingestimmt und in freudiger Erwartung.
Die Fotografen haben sich auf dieser Seite ebenfalls eingefunden. Sebastian Labudabi überragt die meisten Zuschauer und ist immer gut zu finden. Daneben entdecke ich Andreas Grav. Weitere Herren stehen dort mit und ohne Stativ oder fotografieren oben von der Galerie.
Es entsteht eine gewisse Bewegung im Publikum, als bemerkt wird, dass sich mehrere Models bereits auf den Weg vom oberen Geschoss in die Halle und dort hinter die Bühne gemacht haben.
„Es geht los“, murmelt ein grauhaariger Herr neben mir und tatsächlich, Moderatorin Nina-Marlisa Lenzi betritt die Bühne und begrüßt das Publikum.
Wir haben uns schon bei meinem Eintreffen gesehen und uns kurz die Hand gegeben. Wer sich erinnert: mein mangelnder Fernsehkonsum hatte mich vor einiger Zeit fürchterlich auflaufen lassen. Ich kannte ihr Gesicht von den vorherigen Veranstaltungen, aber ihr Name: keine Ahnung! Das war mir schon peinlich. Der eindeutige Vorteil jedoch, wenn einem so etwas passiert, ist: man vergisst den Namen danach bestimmt nie wieder!
Ich wollte Frau Lenzi eigentlich noch erzählen, dass sie eine der meist gesuchtesten und aufgerufenen Personen meines Blogs ist! Unheimlich viele Menschen interessieren sich brennend dafür, was diese nette Dame tut und suchen Fotos aus allen Lebenslagen (mit denen ich dann traurigerweise gar nicht dienen kann ;). Heute nun hat sie wieder sehr charmant durch das Programm geführt und im Laufe des Nachmittags reaktionsschnell eine unerwartete Pause überbrückt, die durch ein kleines Technikproblem beim Musik abspielen entstand.
Die erste Modenschau hat begonnen. Die Models werden teilweise schon bei Erscheinen auf dem Laufsteg mit Beifall begrüßt. Ein Blick in die Runde zeigt, dass das Publikum vom Alter her sehr bunt gemischt ist. Der Männeranteil ist, wenn man bedenkt, dass es sich hier um Modenschauen handelt, erstaunlich groß. Das Anerkennungs- und Begeisterungspfeifen, das erschallt, bevor der Auftritt beendet ist, kommt mehrheitlich vom extra erschienenen Fan-Club eines jeden Models. Der Applaus am Ende beim Verlassen der Bühne hingegen repräsentiert die allgemeine Begeisterung. Und die ist groß!
Die Frühjahrs- und Sommerkollektion, die hier im Quarrée in den einzelnen Fachgeschäften erhältlich ist, ist zu geschmackvollen und pfiffigen Outfits zusammengestellt und kleidet die Nachwuchsmodels – ganz gleich welcher Kategorie – wirklich gut! Vieles wird offensichtlich als so ansprechend und tragbar empfunden, dass der Blick, außer an den jungen Nachwuchsmodels, auch an diesem oder jenem Teil länger hängenbleibt. Schließlich besteht die Möglichkeit, noch frisch unter diesem Eindruck gleich nach der Show shoppen zu gehen …
Lassen wir doch ein paar Bilder für sich sprechen und einen Eindruck von der Show vermitteln:
Modenschau I – Freitag, 27. April 2012 – 14.00 Uhr
Sehr herzlicher Applaus beim Finale dieser ersten Show. Allerdings scheinen viele der Besucher den Gang in die Geschäfte kaum erwarten zu können. Nach Verabschiedung durch Nina-Marlisa Lenzi ‚vergessen’ manche, dass die auf dem Laufsteg stehenden Models durchaus auch noch vom Catwalk abgehen und wuseln etwas verfrüht durch die Stuhlreihen …
In der Pause bis zur zweiten Show, beabsichtige ich nach einem Cappuccino im Wiener Caféhaus einen neuen Versuch zu starten, in den Bereich vorzudringen, in dem die Mädchen gestylt werden. Während ich noch in Sichtweite des Zugangs zum Treppenhaus mit meinem Kaffee sitze, verlassen immer wieder die Mädchen, die an der gerade gezeigten Show teilnahmen, die Räumlichkeiten. Zwei Dinge, die auffällig sind:
a) Erstaunlich, wie viele einen Beutel mit sich herumtragen. Pumps. Sie haben die Schuhe gewechselt.
b) Von 14 Mädchen, die an mir vorbeimarschieren, haben neun ihr Handy in der Hand oder am Ohr. Warum sollte es bei den jungen Damen auch anders sein, als bei allen anderen Menschen im Quarrée. Überall, wo unendliche Sekunden lang Leerlauf herrscht oder sich kurz die Möglichkeit ergibt, folgt der Griff zum Mobiltelefon.
Die Show fängt noch nicht an? Wo ist mein Handy …?
Die Show ist ja nun zu Ende. Muss echt mal wieder aufs Handy gucken …!
Dauert noch ein bisschen. Geht mein Handy eigentlich noch …?
Es ist bei mir genauso. Ich hatte es zwischendurch lautlos gestellt.
Habe ich einen Anruf verpasst? Ist eine SMS gekommen? Schnell mal gucken …
Als ich bezahlen will, um endlich weiterzukommen, werde ich von einem Herrn gestoppt.
„Gehören Sie auch dazu?“
Das ist eine Frage! Sagt man ja oder nein?
„Wozu denn?“, versuche ich es möglichst neutral.
„Na, zu der Modenschau.“
Er hatte mich wohl im kurzen Gespräch mit Andreas Grav, dem Fotografen gesehen, als er selbst zwei Tische weiter seinerseits Kaffee trank oder hatte bemerkt, dass ich einigen Teilnehmern zuwinkte.
„Ich trete nicht in den Shows auf.“ Ich halte mich vage.
„Aber Sie machen da doch was. Ich habe Sie mit denen gesehen!“
Ui! … Privatdetektiv? Los, raus damit, wer lässt mich beobachten …?
Es folgt ein Gespräch von zehn Minuten, währenddessen ich die halbe Lebensgeschichte erfahre. Der Herr hatte ein Einzelhandelsgeschäft im Modebereich, ist immer noch modeinteressiert, schaut bei den Shows sehr genau hin, und ihm scheint auch drumherum nichts zu entgehen. Wir plaudern über Styles, bis ich mich nach einem demonstrativen Blick auf die Armbanduhr entschlossen losreiße.
„Schauen Sie sich die anderen Shows heute auch noch an?“, frage ich ihn abschließend.
„Natürlich! Hatte ich erst gar nicht vor, aber sie sind gut. Ich bleibe!“ Und nach einer kleiner Pause: „Doch, das ziehe ich jetzt durch …!“
Und ich? Es ist zu spät. Ich muss meine Erkundungen auf die nächste Pause vertagen. Show zwei startet in wenigen Minuten.
Modenschau II – Freitag, 27. April 2012 – 16.00 Uhr

Fitness First (Kleidung: Karstadt sports) - Überraschung für die Zuschauer: die mitgebrachten Rucksäcke wurden als Geschenk ins Publikum geworfen ...
Bei den Shows treten unterschiedlich viele Kandidaten auf. In der ersten Show waren es um die 100, bei Show II ist das Limit erreicht. Etwa 120 Teilnehmer versuchen beim Finale, noch auf der Bühne Platz zu finden. Trotz der Beengtheit funktionieren Auf- und Abgänge ohne Schwierigkeiten, und auch bei dieser Modenschau treffen die Kandidaten auf ein ziemlich begeistertes Publikum. Die Stimmung ist außerordentlich gut, die Plätze waren wieder lange vor Beginn alle belegt und sobald die Musik startet, bleiben viele, die von der Veranstaltung im Quarrée überrascht wurden, fasziniert stehen und verweilen, um sich unterhalten und inspirieren zu lassen.
Diesmal mache ich mich nach Ende der Show sofort auf den Weg Richtung Rolltreppe. Die Truppe ist auch gerade auf dem Weg zum Umziehen.
Ich treffe auf Alexander Strauß, der mit der Leistung seiner Model Contest Teilnehmer sehr zufrieden ist. Er zeigt mir den Bereich, in dem sich die Visagisten aufhalten. Während er sich wieder den notwendigen Vorbereitungen für Show III an diesem Tag widmet, lerne ich ein wenig das Team der Face Art Academy, Hamburg kennen.
Wie es manchmal so passiert, entstand zufällig im Internet ein Kontakt zwischen Alexander Strauß und dem Angehörigen eines Mitglieds der Face Art Academy. Man spricht über sein Tun, es entstehen Ideen für eine Kooperation. Lass uns doch mal versuchen …
Die Folge ist, dass erstmalig bei dieser Ausgabe des Wettbewerbs QUARREE GESICHTER vor den Shows Profis zur Verfügung stehen, die die angehenden Models schminken und – je nachdem, wie es die Zeit erlaubt – stylen.
Heute, bei 149 Teilnehmern, verteilt sich die Arbeit auf sechs Damen und einen Herrn. Alle sind kurz vor dem Abschluss Ihrer Ausbildung, die im September endet.
Die Academy lehrt Make-Up, Hairstyling und Masken-Design. Heute sind hier Wendy, Sara, Francesca, Levke, Martha, Ann Kathrin, Jana und Dennis als Visagisten/Make-Up Artists tätig und haben, damit sie überhaupt anwesend sein können, ‚schulfrei’ bekommen. Frei an der Academy, aber viel Arbeit haben sie trotzdem. Selbst wenn wir die männlichen Models abziehen, von denen sich nur zwei Herren zum Abpudern meldeten, und selbst, wenn heute kein Hairstyling auf dem Plan steht – die Zeit ist dennoch knapp bei immer noch mehr als 100 Mädchen, die in jeweils (mind.) zwei verschiedenen Shows pro Tag eingesetzt werden und das jeweils passende Make-Up brauchen. Sobald sich das Outfit ändert, muss häufig auch das Make-Up neu darauf ausgerichtet werden. Oder ist die Teilnehmerin für Show I und III vorgesehen, ist allein durch die vergangene Zeit, Essen, Schwitzen, Verwischen etc. ein Nachschminken nötig. Mit einmal Make-up ist es somit in den seltensten Fällen getan.
Ich frage Wendy, wie viel Zeit sie pro Mädchen haben. Wendy überlegt und erklärt mir, dadurch, dass die Mädchen Vorarbeit geleistet haben und als Make-Up Grundlage bereits eine Grundierung aufgetragen haben, ginge es etwas schneller. Aber mehr als 15-20 min. hätten sie nicht.

Quarrée Gesichter 2013 - Modenschauen 27.04.2012 - Profi-Make-Up durch die sechs Damen und einen Herrn der Face Art Academy, Hamburg
Der Raum, den Wendy und ihre Kollegen sich teilen, ist ein schmaler, quer vor einem liegender Streifen mit großer Fensterfläche. Eine Arbeitsfläche und sieben Schminkplätze befinden sich direkt vor dieser Fensterfront. Die Tischflächen sind belegt. Utensilien wohin das Auge schaut. Viele der Produkte, die dekorative Kosmetik, hat Budnikowsky beigesteuert. Doch vieles, was dort noch liegt, sieht nach Profiwerkzeug aus. Auseinandergefaltete Lederetuis mit Instrumenten, die manchmal fast ein wenig an Zahnarztutensilien erinnern oder an die Tasche für unterwegs eines leidenschaftlichen Handwerkers.

Quarrée Gesichter 2013 - Modenschauen 27.04.2012 - Professionelles Make-Up durch die Experten der Face Art Academy
Es ist ein Kommen und Gehen dort oben. Gelegentlich entsteht Stau im Türeingang, wenn nicht sofort ein Schminkplatz zur Verfügung steht. Die angrenzenden Waschräume, die sonst dem Wach- und Sicherheitspersonal des Quarrées zustehen, werden heute komplett von Models okkupiert.
Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass die letzte Show des Tages nicht mehr lange auf sich warten lässt. Es heißt, sich wieder rechtzeitig einen guten Platz zum Fotografieren zu suchen. Der Andrang ist wirklich beachtlich. Auch an normalen Wochenenden wird Kleidung gekauft, doch es ist schon auffällig, wie viele Besucher des Quarrées mittlerweile mit Tüten von diversen Bekleidungsgeschäften bepackt sind …
Den Startschuss für Show III gibt erneut Nina-Marlisa Lenzi.
Modenschau III – Freitag, 27.04.2012 – 18.00 Uhr

Quarrée Gesichter 2013 - 27.04.2012 - Die letzte Show dieses Tages endet. Hier alle Teilnehmer der dritten Modenschau mit Moderatorin Nina-Marlisa Lenzi
Es ist nicht anders, als bei den ersten beiden Modenschauen des Tages: sehr positive Reaktionen aus dem Publikum vor, während und nach den Shows. Oft fallen Sätze wie:
Die haben toll was auf die Beine gestellt!
Das wirkte sehr professionell!
Die Mode fand ich richtig tragbar … (dazu ein fast erstaunter Blick).
Ich finde gut, dass es auch XL-Models gibt.
Geht der Wettbewerb jetzt noch weiter?
Ich konnte mir gar nicht alle merken.
Das würde ich mir auch wieder ansehen …
Ich hatte leider aus Termingründen keine Gelegenheit, die Shows am Nachmittag des Sonnabends (28.04.2012) zu besuchen, doch traf ich an diesem Tag am frühen Mittag einige Teilnehmerinnen im Quarrée, die schon fertig geschminkt waren und die Zeit bis zum nächsten Termin bei einem Getränk im Eiscafé Giovanni L verbrachten.
Doch, sie seien aufgeregt, verrieten sie mir. Positiv aufgeregt, wie mir scheint, Und ich glaube, das ist auch gut so. Lampenfieber gehört dazu. Sie werden es meistern. Dass sie es können, haben sie schon am Freitag bewiesen. Für Alexander Strauß wird es sicher nicht einfach zu entscheiden, welche der jungen Damen und Herren in Zukunft nicht mehr dabei sein wird. Doch seinem geschulten Blick entgeht so leicht nichts. Ihm wird all das aufgefallen sein, was zur Entscheidungsfindung nötig ist. Seien wir gespannt, wem wir demnächst weiter die Daumen drücken dürfen.
Wenn Sie aus der Region Hamburg kommen: Waren Sie dabei? Ich hoffe, Sie haben beherzigt, was ich auch den Online-Lesern des Wochenblattes unverbindlich empfohlen habe: Verlegen Sie einfach an solchen ereignisreichen Tagen immer ihre unvermeidlichen Wochenendeinkäufe und sonstigen Besorgungen ins EKZ Quarrée. Erledigen Sie zwischen den Shows, was erledigt werden muss, und lassen Sie sich die Freude, die so ein spezielles Ereignis vermittelt, nicht entgehen!
Hier im Blog wird selbstverständlich weiterverfolgt, wie sich das Leben der Contest Teilnehmer in den nächsten Wochen gestaltet und auch über neue Veranstaltungen im EKZ Quarrée Wandsbek auf dem Laufenden gehalten.
Walking Acts heißt es dann … Machen Sie sich auf etwas gefasst! ;)
Model Contest QUARREE GESICHTER 2013: Workshop I … drei Wochen später
Veröffentlicht von ladyfromhamburg in Artikel, Foto am 23/04/2012
Wie steht es eigentlich momentan um unsere Kandidaten des Model Contests QUARREE GESICHTER 2013 ? Und natürlich interessiert auch: Wie geht es Alexander Strauß und seinem Organisationsteam?
Wer hier regelmäßig mitliest, erinnert sich vielleicht an den Bericht von vor drei Wochen.
Muskelkater hatte es gegeben nach dem Training. Bisher unbeanspruchte Muskelpartien murrten noch ein wenig nach der ungewohnten Belastung. Und das zweite Trainingswochenende hatte vielen Teilnehmern leicht rauchende Köpfe verursacht!
So viel Neues, so viele Dinge zu beachten!
Wie schwer es doch ist, an alles gleichzeitig zu denken und Automatismen zu entwickeln. Mir kommt als Vergleich die anstehende Führerscheinprüfung in den Sinn. Das leichte Schwitzen besonders während der ersten Fahrstunden, die geraume Zeit der Angespanntheit und die Unsicherheit, mit der ein Fahrneuling zu kämpfen hat.
Was erfordert es nicht anfangs für eine enorme Konzentration, Regeln prompt abzurufen und umzusetzen, Brems-, Gas- und Kupplungspedal nicht nur grundsätzlich richtig, sondern auch getriebefreundlich zu bedienen, die Hebel für Blinker und Licht zu finden, sämtliche Spiegel zu beachten, den Schulterblick nicht zu vergessen, den Verkehr um sich herum richtig wahrzunehmen, vorausschauend zu agieren, ggf. Blickkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern aufzunehmen, die Aufregung im Zaum zu halten … etc.
Irgendwann wird der Fahrstil gleichmäßiger, flüssiger, sicherer. Ein plötzlich auftauchendes Objekt bringt nicht länger aus der Ruhe, ein Fahrspurwechsel verliert an Schrecken. Beim Bremsen stirbt kein Motor mehr ab, was sich im Weg befindet, wird einfach lässig umkurvt, das Schalten geschieht immer öfter nebenher, und an der roten Ampel ist nun sogar ein kleiner Flirt mit dem Herrn oder der Dame im Nebenauto drin (nach der Führerscheinprüfung!). Die Gesichtszüge können sich entspannen, der verdrängte Charme darf und möchte endlich wieder durchblitzen.
Nicht viel anders erscheint mir das Laufstegtraining. Neulinge auf der Straße (Laufsteg), enorm viel Verkehr (sogar Gegenverkehr), keiner kennt so richtig die Regeln. Das Auto (Körper) ist noch fremd, manchmal kommt Zweifel an den richtigen Reifen auf (Füße). Alle sind ohne Navi, Blinker und Tempoanzeige unterwegs, doch es soll trotzdem funktionieren.
Wie das nicht nur funktioniert, sondern sogar elegant, ästhetisch und obendrein gut gelaunt zu bewerkstelligen ist, versucht Alexander Strauß den Kandidaten zu vermitteln.
31. März 2012. Das zweite Lauftrainings-Wochenende und allen machte es Spaß. Man kannte sich untereinander noch nicht näher, außer Teilnehmer waren schon vorher befreundet gewesen. Es herrschte relative Stille während der Übungen, die gelegentlich durch mehrstimmiges, lautes Zählen der Schritte unterbrochen wurde. Körpergefühl entwickeln (Körperhaltung und -spannung), Gang/Schritte und Wenden standen auf dem Stundenplan. Musikeinspielung gab es hauptsächlich beim Walk through am Ende der Übungseinheit.
21. April 2012. Inzwischen ist das fünfte Wochenende erreicht. Die Highlights – die Modenschauen im Quarrée am 27. und 28. April 2012 – die das Ende des Workshops I markieren, stehen unmittelbar bevor. Präsentation auf dem Catwalk! Wie ist der Fortschritt bei den Teilnehmern? Davon möchte ich mir ein Bild machen.
Ich bin sehr gespannt, als ich mich an diesem Sonnabend Fitness First, dem Ort des Trainings, nähere. Den 18 Uhr Termin der ersten Gruppe (Mädchen bis 1,70m) schaffe ich diesmal leider nicht. Zum nächsten Termin (19 Uhr), komme ich hingegen ein wenig zu früh. Doch nicht nur ich! Um 18.40 h sind schon viele Teilnehmerinnen der nächsten Gruppe (Mädchen ab 1,71m) im Vorraum anwesend und üben bereits eifrig vorab. Der Vorraum wird zum Kleinübungsraum II erkoren.
Mittlerweile wurden alle noch im Wettbewerb befindlichen Teilnehmer von Alexander Strauß in sogenannte Laufgruppen aufgeteilt. Diese zeigen gemeinsam eine Choreographie auf dem Laufsteg. Es scheinen Schrittfolgen dieser Art zu sein, die hier gerade durchgegangen werden.
Durch die Glasscheiben des großen Übungsraums daneben ertönt schwungvolle und mitreißende Musik. Die 18 Uhr Gruppe beendet gerade ihre Trainingseinheit. Der Wechsel der Kursgruppen läuft zügig, und schon beginnt die zweite Einheit an diesem Abend.
Nach einigen internen Absprachen, die Alexander Strauß noch mit den Mädchen trifft, sehe ich nun die ersten Laufstegauftritte.
In einem Übungsraum gibt es natürlich keinen Catwalk, doch mittels einiger Matten als Begrenzungsstreifen, wird zumindest optisch für ein Laufsteg-Feeling gesorgt. So ergibt sich auch eine Vorstellung von den späteren tatsächlichen Abmessungen des Stegs hinsichtlich seiner Länge und Breite. Die Teilnehmer kennen den Catwalk grundsätzlich schon vom Recall, doch da er beim Workshop fehlt, ist diese Art Orientierung sehr hilfreich. Auch sind in einem Fitness-Center verständlicherweise nur Sportschuhe erlaubt (Boden!). Das Laufen auf High Heels ist erst bei der Generalprobe für die Modenschauen direkt auf dem Laufsteg möglich.
Für Neugierige möchte ich vermelden: es hat sich mächtig was getan! Das Training hat sichtbar Früchte getragen! Es macht Spaß, den jungen Damen zuzuschauen – doch mittlerweile zeigen sich auch deutlicher die Unterschiede! Inzwischen fällt es massiv auf, wenn jemand nicht lächelt! Ansonsten:
Wem fällt es leicht, wem schwerer? Wie werden Instruktionen umgesetzt? Wer hat schon wie viel abgespeichert? Bei wem lässt die Konzentration schnell nach? Wer ist mehr der Typ Durchschummler? Wer läuft die Wenden besonders sauber? Wer hat in der Woche daheim zusätzlich geübt? Wer ist ein Plus für seine Gruppe, wer reißt sie eher nach unten?
Das ist neben dem Fortschritt beim Laufen der Hauptunterschied nach diesen Wochen! Die Einführung bzw. das System und Wesen einer Laufgruppe.
Seitdem ist es lauter geworden beim Training. Die Teilnehmer kennen sich inzwischen besser. Man unterhält sich
a) generell mehr und
b) um Absprachen innerhalb der jeweiligen Gruppe zu treffen.
Es geht dabei um den Standort eines jeden, Zeichenvereinbarungen, Wechselbesprechungen – eben alles, was notwendig ist, um aus mehreren Individuen eine homogene Gruppe zu machen. In diesem Fall eine Gruppe, die bei ihrem gemeinsamen Auftritt auf den Gleichschritt achtet, synchron Bewegungen performt, ein komplettes Bild liefert, eine Einheit bildet. Eine solche Gemeinschaft ist andererseits aber – hart gesagt – auf Gedeih und Verderb einander ausgeliefert, denn letztendlich ist sie als Gruppe immer nur so gut ist, wie der Schlechteste im Bunde, das schwächste Glied der Kette. Teamwork und Einsatz sind unabdingbar! Es ist Mitreißen erwünscht, es ist voller Einsatz angesagt, denn sonst leiden alle anderen mit darunter.
Bei einigen klappt es sehr gut, bei anderen gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten. Zum Abschluss wird sich untereinander in den Gruppen Feedback gegeben. Positive Kritik wohlgemerkt!
Wer ist dir besonders positiv aufgefallen? Und warum?
Ich finde diese Art des Feedbacks aus der Teilnehmerrunde unheimlich effektiv. Es gibt oft Menschen, die solches gern vorschnell etwas abfällig als Kuschelkurs abtun.
Man muss doch auch mal Tacheles reden!
Sicher sind auch klare Worte nötig. Doch heißt das nicht automatisch und notwendigerweise, dass alle sich konzentriert das Negative heraussuchen und auf einem Einzelnen herumhacken! Es bedarf gar keines Niedermachens, Suchens nach Fehlern oder geballten Aufzeigens negativer Dinge! Das Positive ist wesentlich entscheidender! Hier heißt es: aufhorchen, verinnerlichen, nacheifern, umsetzen, der Nächste sein, der Lob einheimst …
Die Empfindung bwz. Erkenntnis im Moment des o. g. ‘angenehmen’ Feedbacks ist etwa diese:
Positives führt für mich zum Lob durch die Gemeinschaft. Werde ich bei diesem Feedback nicht speziell erwähnt/hervorgehoben und gelobt, bin ich offenbar nicht positiv genug aufgefallen. Ich habe im Gegensatz zu der/dem Gelobten, hier noch ein Manko und kann daran arbeiten.
Detailliertere Kritik kommt von Alexander Strauß direkt. Er ist der Fachmann für Technik, Feinheiten, alles. Der Chef. Diese Kritik obliegt ihm. Allein. Klare Verhältnisse.
Hier weitere Fotos von den Damen. Ich bitte zu entschuldigen, wenn nicht alle zu sehen oder Unschärfen im Bild sind. Es geht sehr “bewegt” zu, was meine Kamera leider nicht besonders mag.
21.04. 2012 - 20.00 Uhr Männer
Bei den männlichen Teilnehmern, die anschließend ab 20 Uhr ihr Training absolvieren, sind die Leistungsunterschiede innerhalb der Gruppen (nach meinem Empfinden) noch gravierender. Eine richtig gute Gruppe bilden die vier Herren rechts:
Und noch jemand lief heute sehr gut und fiel positiv auf: Andzejus!
Ein Großteil der Teilnehmer zeigt sehr viel Motivation und Einsatz, scheint auch untereinander in der Gruppe gut miteinander auszukommen, doch kämpft im Moment mit dem schon zuvor erwähnten Nachteil, den ein Gruppenauftritt mit sich bringt: Passt nur einer nicht auf, ist unkonzentriert, macht die Wende zur verkehrten Seite, achtet nicht auf Gleichschritt/Synchronität – wird dem gesamtem Team der Auftritt verhagelt.
Etwas was sich alle (Mädchen und Jungen) immer wieder bewusst machen sollten: Die eigene Unaufmerksamkeit, Trägheit/Übungsunwilligkeit (daheim), mangelnde Konzentration oder was auch immer zu Fehlern führt, hat hier nicht nur für die eigene Person und deren Weiterkommen im Wettbewerb Auswirkungen! Man zieht auch andere mit hinab.
Umgekehrt kann ein positives Beispiel in der Gruppe alle anstecken und mitreißen …
Auch von den Herren noch weitere Fotos vom Workshop am Sonnabend:
Am Sonntag, den 22. April 2012 stand der Kurs der XL-Models (ab Gr. 42) und der Best Agers (30-45 Jahre) auf dem Plan. Sie hatte ich bisher noch gar nicht besucht.
Liebe Blogleser, ich verrate es Ihnen, aber auch all Mitteilnehmerinnen und -teilnehmern aus den anderen Gruppen des Model Contests: die Atmosphäre in diesem Kurs ist einfach unvergleichlich! Die Mädels sind klasse!
Sie sind am weitesten, was das Können angeht, sie sind extrem motiviert, sie haben enormen Spaß, sie pushen sich gegenseitig unheimlich und geben einander sehr viel hilfreiches (!) Feedback.
Sie spenden spontan Beifall – gruppenübergreifend! Sie denken sich selbst für ihre Gruppe choreographische Finessen aus – eine Art Gruppenkennzeichen.
Sie strahlen am konsequentesten und gleichzeitig natürlichsten, und es ist einfach toll, sie auf dem (imaginären) Laufsteg zu sehen.
Ich freue mich riesig darauf, sie – und natürlich alle anderen auch – bei den kommenden Modenschauen im Quarrée zu sehen! In dieser Form, zusätzlich gestylt und auf hohen Schuhen (Gang!), werden sie sicherlich einige ins Staunen versetzen …
Nebenher erwähnenswert:
Es gibt bei den Mädchen eine hervorragend mitlaufende taubstumme Teilnehmerin! Es ist faszinierend zu sehen, wie und dass es klappt!
Bei den Best Agers wiederum, tritt eine enorm sympathische und hinsichtlich des Laufens bombastische Kandidatin an – sie ist schwanger. Ich hoffe, im weiteren Verlauf des Wettbewerbs und mit zunehmenden Bauchumfang Umstandsmode von ihr präsentiert zu bekommen … ;)
Alexander Strauß ist in diesen Tagen nicht nur mit dem Laufstegtraining/Choreographien und der Einteilung seiner Gruppen beschäftigt (immerhin sind noch um die 150 Teilnehmer im Wettbewerb!), sondern ihm obliegt u. a. auch die Musikauswahl. Wenn er nicht am Suchen und Schneiden der Titel ist, stellt er höchst eigenhändig die Styles (Outfits) für seine Schützlinge zusammen. Er koordiniert sein Team von freiwilligen Helfern, die ihm wiederum helfen, wo es nur geht (sich teilweise dafür Urlaub vom Hauptjob nehmen).
Wenn es seine Zeit erlaubt, wird es noch ein Interview mit ihm geben (nach den Shows).

Mr. Quarrée Gesichter 2013: Alexander Strauß - alles im Blick und trotz vieler Arbeit (und wenig Schlaf) noch guter Dinge ...
Und die folgenden beiden freundlichen Damen vom Team waren am Sonnabend mit dabei:
Die nächsten Tage sind mit Terminen für die Anprobe gefüllt, der Donnerstag für die Generalprobe reserviert, und am Freitag und Sonnabend heißt es:
MODENSCHAUEN IM EKZ QUARREE WANDSBEK
27. und 28.04.2012 – 14.00, 16.00 und 18.00 Uhr
Ich drücke allen Teilnehmern kann herzlich und fest die Daumen!
An Sie, liebe Leser, die Bitte gerichtet: Kommen Sie zahlreich und sagen Sie es gern weiter! ;)

















































































































































































































































